In der österreichischen Berichterstattung werden Unfälle oft zum Spektakel: Medien veröffentlichen unzensierte Fotos von Autowracks, Rettungseinsätzen oder Leichenboxen – und verletzen damit die Intimsphäre der Opfer. Das ist besonders im Boulevard ein Problem. Aber nicht nur dort.
„Video zeigt brutalen Gondel-Absturz in der Schweiz“, schreibt die Kronen Zeitung am 18. März in der Bildunterschrift eines Videos, das einen tödlichen Unfall in einem Schweizer Skigebiet zeigt. Allerdings zeigt das Video nicht nur den „brutalen Gondel-Absturz“ – sondern auch die versuchte Wiederbelebung des Opfers. Die journalistische Grundregel, die Intimsphäre von Menschen zu schützen, wird dabei ignoriert. Das Video generiert über 2.800 Likes und wird über 1.000 Mal geteilt.
Fotos von Autowracks, brennenden LKWs und Sanitäter:innen, die gerade versuchen, Menschenleben zu retten, werden regelmäßig als Titelbilder zur Berichterstattung über Unfälle verwendet – und das nicht nur in der Krone. Je schockierender die Szene, desto mehr tauchen solche Bilder in österreichischen Medien auf.
Dieses Muster hat einen Namen: Unfallvoyeurismus. Es geht dabei darum, Leid und Tod möglichst ungefiltert zur Schau zu stellen. Das Problem: Die Opfer der Unfälle bleiben dabei oft identifizierbar – durch mangelhaft verpixelte Fotos von ihnen selbst, Nahaufnahmen der zerstörten Fahrzeuge oder durch Details zum Leben der Betroffenen und ihrer Familien. Das verletzt die Intimsphäre der Opfer und ihrer Angehörigen.









