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Auf Gesund&fit, der Gesundheitsseite von Oe24, gibt es regelmäßig Gesundheitstipps. Vieles ist zu schön, um wahr zu sein, unnötig alarmiernd oder fragwürdig hergeleitet.

Collage diverser Headlines von oe24 gesund&fit mit fragwürdigen Gesundheitstipps

Schokolade ist gesünder als Obst, bestimmte Lebensmittel sind so gefährlich wie Rauchen und – „überraschend“ – andere machen doch nicht dick. Gute Neuigkeiten gibt es auch für alle Personen mit einer Pollen-Allergie: die kann man jetzt „easy“ selbst loswerden. So lauten einige der vermeintlichen Erkenntnisse, die auf der Gesundheitsseite des Gratisblatts Oe24 zu lesen sind.

Keine dieser Aussagen ist wissenschaftlich haltbar. Und das sind keine Einzelfälle. Gesund&fit, früher „Gesund24“, bezieht sich regelmäßig auf Studien, die man entweder falsch interpretiert oder augenscheinlich gar nicht gelesen hat. Immer wieder zieht die Gesundheitsredaktion daher fragwürdige Schlüsse. Sehen wir uns ein paar dieser „Gesundheitstipps“ der vergangenen zwei Monate an.

Diet-Tipps from hell

Wenig überraschend drehen sich viele der Artikel ums Essen. Immerhin müssen wir es alle tun, und Ernährungsformen von Keto-Diät bis Intervallfasten boomen. Die Ernährungstipps von Oe24 sollte man sich aber nicht zu Herzen nehmen: So meint die Seite, Lebensmittel entdeckt zu haben, die man „für einen flachen Bauch“ essen sollte (Walnüsse und Magertopfen). Manche dieser Lebensmittel können zwar gegen Blähungen helfen, Bauchfett wird man damit aber keines los. Ganz egal, was man isst, Abnehmen passiert immer dann, wenn man mehr Kalorien verbraucht, als man zu sich nimmt. Dass man gezielt an nur einer bestimmten Stelle des Körpers Fett abbauen kann, ist außerdem ein Mythos.

Neben Lebensmitteln, die dick, dünn oder doch nicht dick machen, gibt es laut Oe24 noch solche, die gleich unser Leben verlängern. Schwarze Bohnen und Walnüsse sollen diese „Superfoods“ sein. Immerhin werden die auch häufig in den sogennanten Blue Zones, wo Menschen besonders lange und gesund leben, konsumiert. Dass das allerdings nicht an diesen zwei Lebensmitteln, sondern an deren Lebensstil (wenig Fleisch, viel Natur, viel Bewegung) liegt, verschweigt Oe24. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht.

In einem weiteren Artikel behauptet die Seite, dass laut einer Studie einige Snacks so gefährlich wie Zigaretten seien. Konkret geht es um industriell verarbeitete Lebensmittel – eine Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde, soll zu diesem Schluss gekommen sein. Die besagte Studie vergleicht aber keineswegs Lebensmittel mit Zigaretten. Die Studienautor*innen plädieren lediglich dafür, dass es wie bei Tabak öffentliche Maßnahmen braucht, um den Konsum industriell verarbeiteter Lebensmittel einzuschränken.

Auch die negative Wirkung von Sojabohnen auf die Schilddrüse, die in diesem Artikel behauptet wird, ist nicht nachgewiesen. Man könnte die Aufzählung beliebig lange fortsetzen.

Nachts Kniebeugen für besseren Schlaf

Fragwürdige Ernährungstipps sind aber nicht der einzige Unsinn, der auf Gesund&fit erscheint. Manche Artikel sind derart substanzlos, dass es einem um den Strom leidtut, der während des Lesens des Textes verbraucht wurde. Ein Beispiel:

oe24 gesund&fit Gesundheitstipps unsinn

Antwort: Weil wir lieber draußen wären. Wie man laut Oe24 damit umgehen soll: Einfach kein schlechtes Gewissen haben.

„Nie wieder Allergie“ verspricht Oe24 im Frühling und hat dafür die passenden Tipps parat: Pollen ausbremsen („Auch simple Barrieren, wie eine Sonnenbrille oder eine Maske helfen bereits“), eine Immuntherapie, auf den Monatszyklus achten. Aufmerksame Leser*innen werden schon gemerkt haben: Mit keinem dieser Tipps wird man die Allergie los. Nicht einmal die aufgelistete Immuntherapie garantiert einen Behandlungserfolg. Außerdem gilt die wohl kaum als „easy Tipp“.

Andere Ratschläge sind durchaus, ähm, naja, sagen wir: unkonventionell.

Oe24 Gesund&fit unsinn

In diesem Artikel geht es um eine Studie über blaues Licht, das zum Beispiel Fernseher abstrahlen. Es stimmt, dass dadurch die Melatoninproduktion gehemmt und damit das Einschlafen erschwert wird. Die Lösung, den Fernseher abzudrehen, ist Oe24 aber wohl zu einfach. Sie empfehlen: Während dem Fernsehen bügeln, Kniebeugen oder snacken. So schläft man nämlich erst gar nicht ein. Genial.


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Was gab es nicht schon an Medienberichten über vermeintlich skurrile EU-Verordnungen: Kühe dürften angeblich nur mehr mit Windeln auf die Alm, Buntstifte und Wasserfarben seien verboten oder ein Zoo müsse wegen der EU seine Kleinhirsche schlachten. Oft bleibt auf den zweiten Blick kaum etwas von diesen Headlines übrig. Gerade in der Kronen Zeitung gibt es eine gewisse Tradition, die EU als Feindbild für alles Mögliche herzunehmen und dabei mit den Fakten nicht ganz so genau zu sein, wie wir mehrfach gezeigt haben.

Die Titelgeschichte der Krone vom 9. April fügt sich nahtlos in diese Serie ein. Die Aussage „Gebrauchtwagen für EU nur Schrott“ ist schlichtweg falsch. Wir haben uns den Gesetzesvorschlag angesehen und mit einem Experten gesprochen. Dinge, die die Krone bei diesem Artikel wohl verabsäumt hat.

Die Bundesregierung hat seit ihrem Amtsantritt dutzende Pressereisen organisiert und bezahlt. Über 480 Berichte in allen großen Printredaktionen sind dazu erschienen. Eine Auswertung von Kobuk zeigt, dass in nur 17,5 Prozent der Artikel transparent gemacht wird, wer diese Reise eigentlich bezahlt hat. Ein klarer Verstoß gegen den Ethikkodex des österreichischen Presserates.

Pressereisen sind so eine Sache. Bei vielen Journalist:innen sind sie beliebt – man kommt zur Abwechslung mal raus aus dem Büro und kann sich niederschwellig ein eigenes Bild von einem Ort oder einem Event machen. Wenn Politiker:innen die Reise bezahlen, dann bekommen Journalist:innen außerdem oft wertvolle Gelegenheiten, sich mit ihnen und ihren engsten Mitarbeiter:innen besser bekannt zu machen. Kontakte, die im kleinen Österreich Gold wert sein können.

Politiker:innen finanzieren solche Reisen freilich nicht ohne Hintergedanken. Sie wollen von der Berichterstattung in irgendeiner Weise profitieren. Dafür haben sie auch viele Hebel in der Hand: Sie organisieren die Reise und damit auch den Ablauf – und haben so einen großen Einfluss darauf, wer, wann, was zu sehen bekommt. Es wäre illusorisch zu glauben, dass Journalist:innen auf solchen Reisen völlig frei berichten können. Dennoch stehen die Reisen quasi an der Tagesordnung – von Hanoi bis München.

Berichte im Rahmen von Pressereisen

Wir wollten für diesen Artikel eine simple Frage beantworten: Welches Medium bekommt in Österreich wie viel öffentliches Geld? Die Frage ist jedoch gar nicht so einfach zu beantworten. Denn Medienförderungen sind ein einziger, unübersichtlicher Dschungel, was die Frage nach Transparenz und Vergabepraxis aufwirft.

Wenn Medien über öffentliche Gelder und Förderungen für Medien berichten, dann oft so, dass man mit dem Finger auf andere zeigt. Die anderen bekommen viel mehr, und überhaupt viel zu viel, so der Tenor. Christian Nusser, Chefredakteur von „Heute“, umschrieb diese Mentalität einmal als „gutes Geld, das man selbst hat, und das schlechte Geld, das andere (noch?) besitzen.“ Daher folgt hier ein Versuch ganz nüchtern aufzuzeigen, wie es wirklich ist.

Dieser Artikel erscheint parallel im Falter. Co-Autoren sind Florian Klenk und Barbara Toth.

Wie ein kleines, aggressives Online-Medium mit Steuergeld und Gerüchten die öffentliche Arena mit Putin-Propaganda flutet – und dennoch von ÖVP-Ministern hofiert und finanziert wird. Eine Dokumentation. 

Putin und Russland Propaganda im Exxpress

Wer nach der Veröffentlichung diverser Korruptionsaffären wirklich geglaubt hat, regierungsfreundliche Berichterstattung gibt es nicht mehr, müssen wir an dieser Stelle leider enttäuschen. Jüngst liest sich etwa ein OE24-Artikel über die neue ÖVP-Kampagne so, als würden sie direkt aus der Parteizentrale kommen.

Heute-Chefredakteur Christian Nusser sieht seine Zeitung zu unrecht an den Pranger gestellt. Auch andere Medien haben in den vergangenen Jahren ungewöhnlich viel Inseraten-Geld vom Finanzministerium bekommen. Hat er damit Recht? Die Kurzfassung: Er hat jedenfalls nicht völlig unrecht.

Inserate aus der öffentlichen Hand sind in Österreich so eine Sache. Die Regierung kann über die Ministerien praktisch unbegrenzt viel Steuergeld an Medien überweisen. Es gibt keine Gesetze, die etwa den Rahmen, den Zweck,  oder eine verpflichtende Evaluierung über die Wirksamkeit solcher Werbeausgaben festlegen. Und sagen wir mal so: Nicht nur wir bei Kobuk hatten in den letzten Jahren immer wieder die Vermutung, dass mit diesen Geldern wohlwollende Berichterstattung gekauft wird; oder umgekehrt: Dass PolitikerInnen niedergeschrieben werden, wenn sie zu wenig bezahlen.

Seit vergangener Woche steht die Zeitung „Heute“ und ihre Herausgeberin Eva Dichand im Fokus dieses Verdachts. Der Falter hat die Causa hier und hier sehr lesenswert zusammen gefasst. Wir erinnern uns: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Thomas Schmid und Wolfgang Fellners OE24, weil dort über das „Beinschab-Tool“ mutmaßlich gefälschte Umfragen publiziert wurden. Als „Belohnung“, so der Verdacht, öffnete das Finanzministerium den Geldhahn und ließ Inseratengelder in die Kassen der Fellners fließen. Soweit, so bekannt.

Der Falter schreibt nun über den neuen Vorwurf der Staatsanwälte: „Damit der Deal, den die Türkisen mit Fellners Österreich-Gruppe mutmaßlich geschlossen haben, um Kurz mit frisierten Umfragen zu pushen, nicht auffliegt, wurden auch die Blätter der Dichands fett bedient.“

Diese Grafik aus dem Standard illustriert den Vorwurf sehr gut:

Der Exxpress glaubt einmal mehr eine Verschwörung aufgedeckt zu haben. Bei der Berichterstattung über die Amokfahrt am Kölner Flughafen am 24. März haben die meisten Medien nämlich nur erwähnt, dass der Täter mutmaßlich psychisch krank sei, nicht jedoch, in welchem Land er auf die Welt gekommen ist. Der Vorwurf einer gezielten Täuschung fällt allerdings aus verschiedenen Gründen in sich zusammen.

Zwentendorf, Hainburger Au, Gentechnik-Volksbegehren: Die Kronen Zeitung hat in der Vergangenheit immer wieder Stellung bezogen und die österreichische Politik nach ihrem Willen beeinflusst. Ihre Kampagnen genießen in der heimischen Medienwelt so etwas wie Legendenstatus. Der Kampf der Krone gegen Atomkraft, gegen Gentechnik, und für eine bestimmte Art von Umweltschutz (nämlich solange es nicht gegen Autofahrer geht) sind bei der Zeitung inzwischen Teil der Blattlinie geworden.

Deshalb haben wir die Berichterstattung zu diesen Themen während des vergangenen Jahres zum Anlass genommen, einmal genauer hinzusehen: Wie schreibt man eigentlich eine Krone-Kampagne? Eine Anleitung in 6 Schritten:

Die Krone feiert sich gerne für ihren Aktivismus.

Schritt 1: Wähle das richtige Thema!
Nicht alle Geschichten eignen sich gleich gut für Meinungsmache. Man sollte generell die Finger von Themen lassen, bei denen es keine eindeutige „Volksmeinung“ gibt.

Kobuk hat drei Monate lang alle Meinungselemente der Tageszeitungen „Die Presse“, „Der Standard“, „Kronen Zeitung“ und „Kleine Zeitung“ analysiert. 68 Prozent aller Kommentare, Glossen und Kolumnen wurden dabei von Männern geschrieben; sieht man sich nur die Leitartikel an, ist das Missverhältnis noch deutlicher: Frauen haben weniger als ein Fünftel dieser Texte verfasst.