Wir lesen Zeitung
und schauen fern.

Eigentlich war die Idee ja gut und recht witzig, aber nicht leicht umzusetzen: Vier Headlines nebeneinander, alle mit demselben Beginn, dem Wort „Zum“ gefolgt von einem nominal gebrauchten Verb und einer kurzen Erklärung.

Drei Mal funktionierte das ganze auch:

Zum Abschied: Salesch sagt baba
Zum Staunen: Klaute Gaga Song-Ideen?
Zum Feiern: 007 ist seit 50 Jahren im Dienst

Doch gerade, als die „Heute“-Redaktion voll in Fahrt war, passierte der Fauxpas:

Poeten sind auch im heute arm dran.

Was macht der Manager von Welt auf dem morgendlichen Weg ins Büro? Er schlägt die „MONEY.AT“-Seite seiner „Österreich“-Gratisausgabe auf. Und siehe da, die wichtigsten vier Wirtschaftsthemen zum Tage auf einen Blick:

  1. Österreichs Banken sind von der ungarischen Staatskrise betroffen
  2. Rechtsstreit um bei Grasser beschlagnahmte Aktien in der Schweiz
  3. Klage des Hotel-Schwarzenberg-Investors Mohamed Al Jaber gegen Immoconsult und Bank Austria.


Und, last but not least die neue Sticker-Aktion von Billa:

Kleingeister mögen sich nun darüber echauffieren, was ein solcher Beitrag im Finanzteil der Zeitung zu suchen hat. Völlig zu Unrecht, der gesamte Zweispalter hat das „Money“ zum Thema: Bei 10 Euro Einkauf gibts ein Packerl Sticker, jedes zusätzliche kostet 50 Cent. Das Heftchen zum Einkleben ist für 1,99 extra zu erstehen.

Zur Erläuterung von Ungarns Staatskrise und ihrer Auswirkungen auf die Geldhäuser der Europäischen Union braucht es da schon weit weniger Zahlenwerte.

Sensation in „Österreich“ am 24. Jänner: „Sieben Meter Schnee auf dem Hotel Mondschein in Stuben“.

Nicht nur Statiker staunen über diese Schneemenge. Ein bisserl Recherche – man beachte die angegebene Fotoquelle „Facebook“ – hätte hier aber die Story ruiniert:

Auf seiner Facebook-Page sagt das Hotel Mondschein zu dem Foto:

Humor lässt grüßen!

Danke an Thomas Rottenberg für den Hinweis!

Leitplanke ist echt ein undankbarer Job. Öffentlich nur wahrgenommen als tödliche Gefahr für Motorradfahrer, und wenn sie ihren Job mal perfekt erledigt, dann war’s nur Glück. Schließlich ist sie selber völlig ramponiert – hat also versagt…?

(Klick öffnet oe24-Galerie)

Sicher war auch Glück im Spiel, nach jener Reifenpanne, die heute einen LKW fast von einer Autobahnbrücke geschleudert hätte. Aber in erster Linie sollte der Fahrer den Ingenieuren danken, die jene erstaunlich elastische Sicherheitseinrichtung konstruiert haben, die laut APA vom LKW „durchbrochen“ wurde. Denn genau das ist nicht passiert, auch wenn fast alle es so übernommen haben.

Was auf den APA-Bildern (hier in einer oe24-Galerie) durchbrochen aussieht, ist das Brückengeländer. Die Leitplanke hingegen, wurde zwar durch die Energieaufnahme beim Aufprall kontrolliert aus den Ankern gerissen und erheblich gedehnt, aber ihr straff gespanntes, nach wie vor intaktes Stahlband war es, das den LKW vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt haben dürfte. Wie auf den Bildern klar zu erkennen ist.

Im folgenden Crashtest sieht man ab Sekunde 30 sehr schön, wie sich die Konstrukteure das vorgestellt haben und wie es dann heute auch gehalten hat:

Nachtrag 20.1.: Wenn wir die heutigen Berichte in den gedruckten Ausgaben zusammenfassen, handelt es sich übrigens um eine 58 („Heute“) bis 80 Meter hohe Brücke (APA), die über eine 111 Meter tiefe („Österreich“) Schlucht führt. Wundersames Kärnten. (Danke @Georg H.)

Die „Kronen Zeitung“, vier Tage nach dem Christkind:

Jährlich 50 kranke Inzest-Babys
Ärzte warnen vor Verwandtenehen — Aufklärung gefordert

Diese Kinder sind das Produkt widernatürlicher „Lieben“ – und leider in vielen Fällen schwer krank. Alleine im Wiener AKH werden jährlich bis zu 50 „Inzest-Babys“ behandelt, gezeugt durch Verwandtenehen!

[…] Der [Mediziner des AKH] weiter: „Betroffen sind zumeist Migrantenkinder aus sozial schwachen Familien. […] FPÖ-Stadtrat David Lasar: „Ganz wichtig ist die Aufklärung, um allen Betroffenen viel Leid zu ersparen.“

„Aufklärung“ ist unser Stichwort, quasi das Bat-Signal für Kobuk. Ich habe daher im AKH nachgefragt, ob sie bestätigen können, dass dort fast jede Woche ein durch Inzest schwer geschädigtes Baby zur Welt komme. Und dass dieses Problem zumeist Migranten betreffe, die in Verwandtenehen leben, wovor AKH-Ärzte deshalb in der „Krone“ entsprechend warnen.

Das AKH stellt dazu fest:

[…] dass die Aussagen im Krone-Artikel nicht bestätigt werden können und kein Mitarbeiter diese Aussagen getroffen hat. (Unterstreichungen auch im Original.)

Der Autor dieser exklusiven „Krone“-Story wird gewusst haben, warum er seinen Namen lieber verschweigt.

(Mit Dank @Vienna189 und @schaffertom)



Update 21.01.2013
Der Artikel wurde offenbar auch dem Österreichischen Presserat gemeldet. Dieser hat seine Entscheidung dazu kürzlich auf seiner Homepage veröffentlicht und stellt fest, dass die „Krone“ hier in gleich zwei Punkten gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse verstoßen hat: Erstens entspricht die „Recherche“ der Kronen Zeitung nicht den Erfordernissen des Ehrenkodex, da es

im Sinne einer korrekten und gewissenhaften Recherche notwendig und zumutbar gewesen [wäre], dass der Autor des Artikels die Aussage des anonym gebliebenen Mediziners im Sinne einer Gegenrecherche durch eine Anfrage bei den für Medienkommunikation zuständigen Stellen des AKH überprüft

Und zweitens handelt es sich bei der erfundenen nicht verifizierten Behauptung, dass meist Migrantenfamilien betroffen seien, laut Presserat um

eine unzulässige Diskriminierung von Migranten

Abschließend wird die Kronen Zeitung vom Presserat gebeten aufgefordert, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Was eher unwahrscheinlich ist, da das Blatt sich bislang weigert, sich der freiwilligen, ethischen Selbstkontrolle des Presserats zu unterwerfen.

Die ganze Entscheidung kann hier als PDF eingesehen werden.

Wie „Kronen Zeitung“ und ORF falsche Internetpropaganda verbreiten und auf wen das österreichische Parlament wirklich hört.

Prolog

Straßenhunde sind keine Kuscheltiere, sondern übertragen Krankheiten und sind eine ernste Bedrohung, insbesondere für Kinder. Uns Couch-Tierschützern mag diese Sicht nicht gefallen, aber viele Menschen, die täglich mit Streunern konfrontiert sind, und oft selbst „wie arme Hunde“ leben, empfinden es so.

Und sie sind damit nicht allein. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zum Beispiel, rügte im Juli Rumänien: Allein im ersten Quartal 2010 seien dort über 2.000 Menschen von wilden Hunden angefallen worden. Anfang 2011 wurde eine alte Frau von einem Rudel zu Tode gebissen. Das Land gehe nicht konsequent genug gegen die Tiere vor. Dies sei ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Schutz des Privatlebens, hieß es in der Rüge.

Das soll nichts entschuldigen, was mit den Tieren passiert. Aber man sollte die Umstände kennen, bevor man über andere Menschen und ganze Länder urteilt.

20. November 2011, „Kronen Zeitung“

(Bild anklicken für Großansicht)

Kiew am frühen Morgen. Ein Auto fährt durch die Straßen und zwei Männer werfen Fleischbrocken aus dem Fenster. Gierig schnappen Streunerhunde nach den vermeintlichen Leckerbissen […]

Der Bericht liest sich, als hätte die „Krone-Tierlady“ ihn persönlich auf Facebook in der Ukraine recherchiert. Eine erschütternde Reportage über das Leid streunender Hunde, welche für eine „saubere“ Fußball-EM 2012 grausam ihr Leben lassen müssen.

250 Euro gibt es laut „Krone“ für zehn tote Hunde. Das wäre in der Ukraine deutlich mehr als ein durchschnittliches Monatsgehalt. Fast unerträglich: das Foto einer erschossenen Welpenmutter. Die „Krone“ dazu:

Ein Bild wie ein Faustschlag ins Gesicht: Diese Hündin wurde abgeknallt. Ihre hilflosen Welpen wollen ihren Hunger stillen und trinken am leblosen Kadaver ihrer Mutter. Dann wurden wahrscheinlich auch sie bei lebendigem Leib verbrannt.

(„Zenica, Juli 2003“)

Ein Bild wie ein Faustschlag, zweifellos. Aber ins Gesicht der Wahrheit. Denn die arme Hundefamilie war nie in der Ukraine und die lebendig brennenden Welpen — welch ein Bild — dürften die Mutter bereits vor über acht Jahren verloren haben. In diesem bosnischen Forum wurde das scheinbar aktuelle Foto aus der Ukraine bereits vor vier Jahren veröffentlicht. Es sei im Juli 2003 entstanden, heißt es dort, und zwar in Zenica. Über 1000 Kilometer — und acht Jahre — vom heutigen Kiew entfernt.


21. November: Bereits am nächsten Tag ist die Geschichte das Hauptthema in den „Krone“-Leserbriefen. Für alle, die die Sonntagsausgabe nicht haben, wird noch einmal das Foto der bosnischen Hündin und ihrer Welpen groß abgedruckt:

Ein schreckliches, aufrüttelndes Bild vom Hundemord in der Ukraine [sic!] – die Hündin wurde abgeknallt, ihre Welpen wollen ihren Hunger stillen und trinken am leblosen mütterlichen Kadaver.

Auszüge aus den Leserbriefen von Montag und den Folgetagen:

„Als ich am Sonntag die ‚Kronen Zeitung‘ aufgeschlagen habe, hat mich fast der Schlag getroffen. UNFASSBAR“ (21. 11.) … „mir schossen sofort die Tränen in die Augen“ (21. 11.) … „jeder, der ein bisschen Herz hat, wird diese grauenvollen Bilder nie mehr vergessen können“ (23. 11.) … „Bilder des Grauens. Erschütternde Bilder, die sich tief in unser Hirn eingebrannt haben. Bilder, die man nie mehr vergisst, herzerschütternde Bilder, die um die Welt gehen.“ (25. 11.)

25. November: Peter Westenthaler (BZÖ) kündigt in einem Leserbrief an die „Kronen Zeitung“ parlamentarische Maßnahmen an.

"Kronen Zeitung", 25. 11. 2011, S. 32Die beeindruckende Reportage der sehr engagierten Frau Entenfellner […] hat mich dazu veranlasst, Ideen zu entwickeln, wie das offizielle Österreich gegen diesen Tier-Massenmord protestieren könnte.

[…] Schließlich werde ich auch bei der nächsten Parlamentssitzung einen entsprechenden Antrag für eine offizielle Protestnote einbringen. Lasst uns alle gemeinsam – Politik und Sport – gegen dieses Tierleid kämpfen!

Vorsitzender des parlament. Sportausschusses
Abg. Peter Westenthaler

27. November: Die „Kronen Zeitung“ startet eine große Hilfsaktion und bittet ihre Leser um Geldspenden. Dabei lässt sie durchblicken, wie hilfreich das trügerische Foto aus dem Internet für die bisherige Kampagne war:

Die furchtbaren Bilder von Welpen, die sich an ihre blutüberströmte, totgeschossene Mutter schmiegen, und von fahrbaren Krematorien haben einen Aufschrei des Entsetzens ausgelöst. […] Bitte spenden Sie! Verein „Freunde der Tierecke“


29. November: Heinz-Christian Strache besucht die „Krone“-Redaktion und spendet namens der FPÖ 15.000 (!) Euro für die Versorgung heimatloser Tiere in der Ukraine. Im Gegenzug gibt es Erinnerungsfotos auf Facebook und in der „Kronen Zeitung“.



30. November: Kurzer Schauplatzwechsel nach Rumänien. Auf der Facebook-Seite der „Krone Tierecke“ schreibt Maggie Entenfellner entsetzt:

Liebe Freunde! Dieses Bild des Jammers habe ich eben erhalten – es kommt aus Rumänien. Es anzusehen tut einfach nur weh – Menschen die einem hilflosen Lebewesen so etwas tun – können kein Herz, keinen Verstand und kein Gefühl haben.

(699 Kommentare)

Machen wir’s kurz: Das Foto stammt nicht aus Rumänien, sondern aus Mexiko. Mit ca. 10.000 Kilometern ein neuer Rekord im Welpenweitwurf. Und dem kleinen Racker geht’s auch schon wieder viel besser.

(Hoffentlich prüft die „Krone“ bei der Spendenvergabe genauer, ob die Geschichten auch stimmen, in die das Geld der Leser fließt. Spendengütesiegel trägt der Verein „Freunde der Tierecke“ jedenfalls keines. Und im Internet sind auch keine Jahres- und Finanzberichte auffindbar, im Gegensatz zu anderen Tierschutzvereinen, die zum Teil vielleicht deutlich weniger Spenden einnehmen.)

3. Dezember: Peter Westenthaler fordert nun auch in einer OTS-Aussendung Maßnahmen der österreichischen Regierung und der EU gegen „das bestialische Hundemorden in der Ukraine“. Er lässt wenig Zweifel, was ihn mit am stärksten dazu bewogen hat:

[…] Das blanke Entsetzen lösten und lösen in diesem Zusammenhang veröffentliche Bilder aus, auf denen Welpen zu sehen sind, die sich an ihre blutüberströmte Mutter schmiegen“, so Westenthaler […]

9. Dezember: Das Parlament reagiert einstimmig mit einem Entschließungsantrag auf den Bericht der „Kronen Zeitung“. Die freut sich über die politischen Prioritäten im Land:

Alle Parteien gegen Mord an Hunden in der Ukraine!

Wenn schon nicht bei der Schuldenbremse, so sind sich Österreichs Politiker wenigstens im Kampf gegen Tierleid einig […] Wie berichtet, hatte „Krone“-Tiereckenchefin Maggie Entenfellner den unfassbaren Skandal der grausamen Säuberungsmaßnahmen aufgedeckt.

Wirklich lauter falsche Hunde in der „Krone“, der in diesem Bericht stammt in Wahrheit aus Rumänien.

9. Dezember: Das ORF Servicemagazin „Konkret“ berichtet über die Hilfsaktion der „Krone-Tierlady“ und ORF-Moderatorin. Um das Tierleid in der Ukraine zu illustrieren zeigt „Konkret“ ein Video („Quelle: Internet“), in dem ein Hund lebendig in eine Müllpresse geworfen und darin scheinbar zerquetscht wird.

Dazu der Sprecher:

[…] Weil für Plätze in Tierheimen aber kein Geld da ist, werden viele Hunde von Müllwagen einfach entsorgt. […]

(Bild anklicken für Animation, 2 MB)

Das angeblich ukrainische Video des ORF war schon 2005 in der Dokumentation „Earthlings“ zu sehen. Die gezeigte Szene dürfte in der Türkei laut einer Kobuk-Leserin in Indien aufgenommen worden sein und ist vermutlich gestellt: Zum einen stoppt die Presse in ungefährlicher Position, sobald der Hund nicht mehr sichtbar ist. Zum anderen ist kurz zuvor für einen Sekundenbruchteil eine zweite, professionelle Kamera am linken Bildrand sichtbar.



Wag the Dog 2.0

Ich fürchte, wie es tatsächlich um die Hunde in der Ukraine steht, kann derzeit niemand von uns beurteilen. Weil Journalisten ihren Job nicht mehr machen und nur Schockpropaganda aus dem Internet durchschleusen, die eine politische und teilweise auch wirtschaftliche Agenda verfolgt.

Das alles ist schon erschreckend nah an der Filmsatire “Wag the Dog”. Um das US-Volk mit einem gefakten Video auf die schreckliche Lage in Albanien einzustimmen, soll im Filmstudio eine junge Frau vor scheinbaren Unruhen fliehen — mit einem Kätzchen einer Tüte Tortilla-Chips im Arm:

Regisseur: Halt die Tüte gut fest, wir brauchen die für die Armhaltung. Im Bild ist sie dann ein Kätzchen.
Darstellerin: Könnt‘ ich ein Kätzchen halten?
Regisseur: Nein, das kopieren wir nachher rein — genau da.
Darstellerin: Sie kopieren das Kätzchen nachher rein, warum?
Regisseur: Um mehr Möglichkeiten zu haben.
Darstellerin: Was für Möglichkeiten denn?
Regisseur: An Kätzchen!

Jede Ähnlichkeit mit realen Ereignissen und lebenden Personen ist rein zufällig.

 

Stellungnahmen

(Eingeholt von Helge Fahrnberger)

Ich habe Frau Entenfellner von der „Krone“-Tierecke und die Redaktion von „Konkret“ um Stellungnahmen zu den Hinweisen ersucht, dass die verwendeten Aufnahmen nicht aus der Ukraine stammen und nicht aktuell seien. Frau Entenfellner antwortete mir mit dem Satz:

Wir haben die Bilder von Tierschützern aus der Ukraine erhalten.

Auf meine Nachfrage, ob die Authenzität der Aufnahmen in irgendeiner Weise überprüft wurde, sagte mir Frau Entenfellner telefonisch, dass sie keine Möglichkeit habe, die Echtheit solcher Fotos zu überprüfen, da sie bisher nicht in der Ukraine gewesen sei (Kobuk übrigens auch nicht) und sich erst morgen auf den Weg mache. Die Information über das auf Facebook gespostete Welpenfoto habe sie aber bereits richtig gestellt. (Wer findet die Richtigstellung auf Facebook zuerst?)

Eine falsche Herkunft aller anderen verwendeten Fotos würde sie stark verwundern, da sie wegen der anlaufenden LKW-Hilfslieferungen ständig mit den ukrainischen Behörden in Kontakt stehe und diese sie wohl darauf hingewiesen hätten. Wir sollten aber nicht nur die „Krone“, sondern auch andere kritisieren, die diese Bilder verwenden, wie bespielsweise Tierschützer. Auf meinen Einwand, dass wir diese nicht kritisieren, da Kobuk nur für Medien zuständig ist, fragte Maggie Entenfellner:

Gilt Facebook als Medium?

(Wenn das kein Hinweis auf den „medialen“ Ursprung der „Krone“-Bilder ist.) Inzwischen gibt es auch eine ausführlichere Stellungnahme auf ihrer Facebook-Seite, inklusive einer kurzweiligen Diskussion.

Der Sendungsverantwortliche von Quelle: Fernsehen „Konkret“, Edwin Möser, ließ mir folgenden Text schicken:

Beim gezeigten Material – das auch ausdrücklich mit der Quellenangabe „Internet“ versehen wurde – handelt es sich um ein You-Tube-Video, das offenbar zum Thema „Hundetötung in der Ukraine“ ins Internet gestellt worden war. Die „konkret“-Redaktion hat dieses Material nur als Genre-Bild verwendet, um damit die Erzählungen von Augenzeugen der Tiertötungsmethoden in der Ukraine zu dokumentieren. Sollte es sich tatsächlich um Material handeln, das fälschlich unter diesem Titel ins Internet geraten ist, bedauert die „konkret“-Redaktion diesen Irrtum. Der Sachverhalt wird jedenfalls noch einmal genau geprüft. An der Tatsache, dass in der Ukraine anlässlich der Fußball-EM viele Hunde getötet werden sollten und bislang auch getötet wurden, ändert dies jedoch nichts.

In der Ausgabe vom 6.12. erzählt „Heute“ die Erfolge des spanischen „Tormanngottes“ Iker Casillas  in Bildern:

Doch der gezeigte „legendäre WM-Kuss beim Interview“ ist nur eine Imitation des berühmten Kusses Iker Casillas und seiner Freundin Sara Carbonero bei der WM 2010, wie man auf YouTube erkennen kann (am besten anhand des hineinmontierten Hintergrundes):

Falscher Kuss (Youtube):                                                      Richtiger Kuss (Youtube):

Österreich, die Süddeutsche oder das Abendblatt machten es im Juli 2010 richtig und veröffentlichten das originale Kussbild, auf Heute.at konnte kein früherer Bericht darüber gefunden werden.

(Danke an die beiden in Wien weilenden spanischen Touristen für den Hinweis!)

Dass „Österreich“ manchmal scheinbar eigene mathematische Regeln aufstellt, ist ja nichts Neues. Dass Herausgeber Wolfgang Fellner selbst anscheinend so seine Probleme mit dem Prozentrechnen hat, ist allerdings schon bezeichnend.

Am Sonntag, den 4. Dezember, spricht er in seiner täglichen Kolumne „Das sagt Österreich“ über mögliche Mehrkosten für den Steuerzahler durch die Gehaltserhöhung der Beamten.

(…) ein Gehaltsplus von 2,5 % (…) Insgesamt bluten wir für unsere Beamten heute mit 300 Mille neuen Kosten, werden aber aufs Sparen eingeschworen.

Nur einen Tag später, in der Ausgabe vom Montag, den 5. Dezember, ist die Sache dann auch entschieden:

Gehälter steigen um 2,95 %

Das hieße dann also, höhere Mehrkosten als erwartet. Nicht aber lt. Rechnung von „Österreich“:

Der Deal kostet uns 277 Millionen Euro.

Also nochmal ganz langsam:
2,5 % wären also laut „Österreich“ 300 Millionen, 2,95 % demnach aber 277 Millionen Euro; das sind zwar 0,45 Prozentpunkte mehr, hier jedoch 23 Millionen Euro weniger.

Ein Blick in andere Tageszeitungen zeigt, das auch diese hier von Mehrkosten von 277 Millionen Euro durch die festgelegten 2,95 % sprechen. Gehen wir also davon aus, dass diese Zahl stimmt, müssen wir fast vermuten, dass dem Herausgeber mit seinen „300 Mille“ ein kleiner Rechenfehler unterlaufen ist.

(Herzlichen Dank an Leser Victor für den Hinweis.)

Die Gratiszeitung „Heute“ infomiert am 2.12. über himmelschreiende Ungerechtigkeiten der heimischen Justiz, über „Wahnsinns-Urteile“, nach denen einmal Lügen so viel koste wie 20 gebrochene Frauennasen:

Auch wenn die konkrete Strafbemessung für Laien schwierig erscheint, sollten Journalisten, die sich darüber lauthals und vorallem publizistisch mockieren, sich zumindest ein wenig schlau machen:

  • Geldstrafen berechnen sich nach Tagsätzen. Lediglich die Anzahl dieser Tagsätze richtet sich nach der Art und Schwere der Tat, und damit auch nach konkret vorliegenden mildernden oder erschwerenden Umständen, wie beispielsweise der (Un-)Bescholtenheit des Täters.
  • Die Höhe dieser Tagsätze allerdings bestimmt sich nach den wirtschaftlichen und persönlichen Umständen des Täters – und ist mit mindestens €4 und höchstens €5.000 festzusetzen (Strafgesetzbuch §19).

Die Strafbemessung ist also nicht einfach ein Preiszetterl, das auf einer Tat klebt. Eine niedrige Geldstrafe kann einfach ein Indiz dafür sein, dass der Täter ein armer Schlucker ist und/oder mildernde Umstände vorlagen.

Sich damit näher auseinander zu setzten,  hätte die Geschichte obsolet gemacht war „Heute“ wohl zu langweilig.

(Danke für den Hinweis an Georg Wageneder.)

Update:

Beispiel für gelungene Kritik an der österreichischen Justiz im Standard.

Bitte nicht nachmachen. Das Gehirn 40 Minuten ohne Sauerstoff und dabei keinen Schaden davontragen, das können nur speziell ausgebildete „Heute“-Redakteure … sich ausdenken:


Bub (2) überlebt 40 Minuten unter Wasser.
Caleb (li.) war in Arizona (USA) in einen Pool gefallen, trieb 40 Minuten lang unter Wasser. Als ihn seine Mama fand, schlug sein Herz nicht mehr. Dann das Wunder: Ärzte holen den Buben im Spital zurück ins Leben — Caleb ist auf dem Weg der Besserung.


Es lief so ab: Der Junge war von seiner Mutter leblos im Pool gefunden worden. Nach über einer halben Stunde gelang es, ihn wieder zu reanimieren — da war er natürlich längst nicht mehr „unter Wasser“. Mittlerweile ist der Bub vollständig genesen und hat glücklicherweise auch keine Folgeschäden davongetragen, die spätestens nach fünf Minuten ohne Sauerstoff irreversibel eingetreten wären, wie „Heute“ heute jeder weiß.