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Kategorie: z Medien

Statistiken sind nicht einfach zu interpretieren – das haben uns die österreichischen Medien schon öfters gezeigt.

Opfer der Statistik wurde dieser Tage die APA, als sie über die neuen Daten der Media-Analyse berichtete. Die größte Reichweite bei den Tageszeitungen hat laut der Media-Analyse, wie auch in den vergangenen Jahren, die „Kronen Zeitung“ (38,9 % österreichweit, 35,6 % in Wien), deren Chefredakteur bekanntlich Christoph Dichand ist. Seine Ehefrau Eva Dichand, Herausgeberin der Gratiszeitung „Heute“, durfte sich ebenfalls über gute Reichweitenwerte freuen (12,0 % österreichweit, 37,6 % in Wien) – da fragt man sich, wie viele Menschen in Österreich eines der beiden Dichand-Blätter lesen. Die APA fand das scheinbar heraus und ORF.at, die Wiener Zeitung sowie relevant.at übernahmen diese Meldung:

„Das Ehepaar verwaltet gemeinsam ein beeindruckendes Imperium: Von insgesamt 5,2 Millionen Tageszeitungslesern in der Republik griffen mehr als 3,6 Millionen zu einer der beiden Dichand-Zeitungen.“

3,6 Millionen sind viele Menschen, das wären immerhin 69,23 Prozent aller TageszeitungsleserInnen. Aber wie kommt man auf diese 3,6 Millionen? Die APA scheint hier zusammengezählt zu haben: Laut Media-Analyse lesen 2.764.000 Menschen die „Kronen Zeitung“, 849.000 „Heute“. Addiert man die beiden Zahlen, kommt man tatsächlich auf gerundete 3,6 Millionen.

Leider wurde ein Detail am Rande nicht beachtet: Es gibt in Österreich doch einige Menschen, die zu mehr als einer Zeitung täglich greifen – diese wurden also doppelt gerechnet.

Liebe Frau Dichand,

danke für die Quelle zu der von einem Kobuk-Autor behaupteten Zeitungsente in der heutigen Ausgabe Ihrer Zeitung „Heute“, die Sie mir eben auf Ihrem nagelneuen Twitter-Account schicken, spätabends von Ihrem Blackberry:

Willkommen auf Twitter. Jetzt werfe ich doch gleich einen Blick auf diese wirklich lustige Website, WNCNEWS, von der hab ich noch nie gehört. Auf der spärlichen Kontaktseite finde ich den Absatz:

We as “WNC News” has tested the information in this website to the best of our ability. But it is well said that human makes errors. So, help us finding the erros, bugs or any other way by which we can improve your experience with us.

Ich gestehe, die Hervorhebungen sind von mir. Der Autor Nummer eins der Website dürfte übrigens eine besondere Ausbildung genossen haben:

David is a graduate of the University of Some State.

In some country, I assume.

Die Website hat PageRank Null (zum Vergleich: Heute.at hat PageRank 6), aber zumindest 65.000 Einzelseiten. Frau Dichand, Sie dürften einer Contentfarm aufgesessen sein. Ich hoffe, Ihre Redaktion bezieht keine „Nachrichten“ aus solchen Quellen.

Ihr Quell-Link hat übrigens keinen Inhalt, sondern verlinkt nur auf einige Artikel. Der erste davon enthält den Satz:

Frattini said that an African country to give asylum to Muammar Gaddafi and ignore that Libyan leader will remain in power.

Wenn ich das holprige Englisch richtig deute, dürfte auch das Ihre Zeitungsente kaum entlasten.

Oder war Ihr Tweet nicht ernst gemeint sondern ein um zwei Tage verfrühter Aprilscherz? Oder ein Test, und ich bin reingefallen?

fragt sich,
Ihr Helge Fahrnberger

Ein P.S. für Zweifler: Der Twitter-Account @EvaDichand ist echt:

Update: Die Website hat ein paar der Fehler beseitigt, und der (vermutliche) indonesische Betreiber hat sich in den Kommentaren gemeldet.

„Heute“ berichtet in der heutigen Ausgabe sowie online, dass Berlusconi Gaddafi Asyl in Italien geben wolle. Doch in keinem italienischen oder internationalen Medium findet sich eine entsprechende Meldung, und Italien hat ein solches Asyl bislang ausgeschlossen.

Man dürfte bei „Heute“ eine Aussage des italienischen Außenministers am Rande der gestrigen Libyenkonferenz in London falsch gedeutet haben. Reuters berichtet:

Frattini said an African country could offer Gaddafi asylum.

Italien dürfte nicht zu den afrikanischen Ländern zu zählen sein.

Update: „Heute“-Herausgeberin Eva Dichand hat sich auf Twitter dazu gemeldet.

Sowohl auf der Titelseite von gestern als auch online erklärt uns die „Presse“:

Plutonium ist eines der seltensten Elemente der Erdkruste, es kommt nur als Begleiter von Uran vor: ein Atom auf 140 Milliarden Pu-Atome.

Der letzte Satz stellt die vorangegangene (und richtige) Aussage auf den Kopf: Pu ist das chemische Kürzel für Plutonium. Kommt nun ein Plutonium-Atom auf 140 Milliarden Plutonium-Atome? Oder ein Uran-Atom?

Richtig ist nichts von alledem. In Wirklichkeit kommt im Uranerz ein Plutonium-Atom auf 140 Milliarden U-, also Uran-Atome.

Dieser Tage kommt die neue Spielekonsole Nintendo 3DS in die österreichischen Läden. Das Ding hat einen innovativen 3D-Bildschirm, der ein 3D-Bild ohne spezielle Brille ermöglicht, und wird wohl deshalb von Thomas Vašek in der aktuellen Ausgabe des „Falter“ besprochen.

Vašek ist begeistert von diesem 3D-Effekt, den er am Beispiel des Spiels „Streetfighter“ [sic] beschreibt. Zweifelhaft ist aber, ob er das Game wirklich ausprobiert hat, denn Vašek schreibt:

Endlich hat man beim „Streetfighter“-Ballern das Gefühl, dass einem die Kugeln wirklich um die Ohren fliegen.

Dumm nur, dass in Super Street Fighter IV (so die korrekte Schreibweise von „Streetfighter“) nicht geballert wird und einem deshalb auch keine Kugeln um die Ohren fliegen.

Es ist ein klagsfähiger Artikel, der vor Gericht eine bis zu fünfstellige Entschädigungssumme bringen könnte. Und eigentlich gibt es nur eine Erklärung für die Dummdreistigkeit, mit der „Die ganze Woche“ (Nr. 11/2011) Natascha Kampusch die Vortäuschung ihrer achtjährigen Gefangenschaft und indirekt einen Betrugsversuch in Millionenhöhe unterstellt: Man rechnet einfach nicht damit, dass außerhalb des „Woche“-Biotops das jemand liest…

Kampusch macht aus ihrer Entführung ein gutes Geschäft
Es geht um mehr als eine Million Euro. Aus den Abgaben der Steuerzahler. Damit sollen die erlittenen Qualen von Natascha Kampusch, 23, und deren Eltern abgegolten werden. Qualen durch die achtjährige angebliche Gefangenschaft bei Wolfgang Priklopil in Strasshof, Bezirk Gänserndorf (NÖ). Und angeblich, weil es bislang keinen Beleg dafür gibt, dass Kampusch all die Jahre in einem Kellerverlies eingesperrt war. Zwar behauptet Kampusch in Interviews, wie eine Gefangene gehalten worden zu sein, doch eine Untersuchung der Verliestür habe ergeben, dass sie nur von innen zu verschließen gewesen sei, ist einem Protokoll zu entnehmen. Was der gängigen Praxis entspricht, denn das angebliche „Verlies“ wurde als Luftschutzraum gebaut.

Letzteres ist sogar korrekt. Nur verschweigt der aus gutem Grund anonyme Autor seinen Lesern perfiderweise den Rest der Konstruktion, wie sie seit 2006 bekannt ist:

„Um in dieses Verlies zu kommen, musste man in eine Grube steigen, einen Wandverbau auf die Seite schieben, einen Tresor aufmachen, und zwar mit einem Code, links und rechts zwei Dübel und Schrauben entfernen, den Tresor rausnehmen, in ein Loch reinkriechen, eine Blende wegnehmen, erst dann kam man zur Tür, die in dieses Verlies führt.“ (Gerhard Lang, Bundeskriminalamt )

Das Prinzip Steuergeld für Folter ist der „ganzen Woche“ übrigens nicht völlig fremd: Über 90.000 Euro lukrierte sie allein 2010 an Presseförderung. Das ist mehr als z.B. Profil oder Falter erhalten haben.

Nicht nur, dass die „Österreich“-Redaktion Westen und Osten nicht unterscheiden kann – im gleichen Artikel fällt sie auch noch einem Internet-Schwindel zum Opfer. Die Grafik, die erklären soll, welche Auswirkung die Atomwolke für die USA und Kanada haben könnte, ist eine Fälschung aus dem Internet.

Zum Verwechseln ähnlich - oben: gefälschte Grafik, unten: Grafik in "Österreich"

OBEN: Die gefälschte Web-Grafik zeigt, wie eine extrem hohe radioaktive Strahlung  innerhalb von 10 Tagen bis an die Westküste der USA gelangt. Im linken unteren Eck der Landkarte sieht man das (gefälschte) Logo der „Australian Radiation Services“ abgebildet.

UNTEN: „Atomwolke gefährdet Tokio und Kalifornien“ betitelt „Österreich“ ihre Grafik, die in der Printausgabe vom 14. März ohne jegliche Angabe der Quelle abgedruckt und auf Oe24.at laut dem Hinweis „© tz österreich“ aus eigener Feder stammen soll. Die Ausbreitung der japanischen Atom-Wolke sieht allerdings jener der abstrusen Web-Fälschung zum Verwechseln ähnlich.

Wenig Stunden nachdem die Hoax-Grafik ihren Weg ins Internet fand, konnte man folgendes Statement auf der offiziellen Seite der Australian Radiation Services finden, in dem sich die Organisation von den gefälschten Informationen im Internet distanziert:

Australian Radiation Services is aware of information about radioactive contamination being spread from the Japanese nuclear reactor incident released under the ARS logo and name.  We wish to be clear that this information has not originated from ARS and as such distance ourselves from any such misinformation.

Andrew Schneider, Senior Public Health Correspondent von AOLnews, nimmt in einem Artikel direkten Bezug auf die gefäschte Grafik aus dem Web:

These numbers, which would kill or sicken quickly, have absolutely no basis in fact at all. And, according to a radiation expert at the Federal Emergency Management Agency, they are more typical of the levels that might occur after a nuclear attack.

„RAD“ ist übrigens die seit Ende 1985 nicht mehr verwendete Einheit der absorbierten Strahlendosis.

Die australische TV-Station „Nine News“ fiel ebenfalls auf die Fälschung herein, wie die Aufdeckerwebsite Crikey berichtet:

Danke für Hinweise an Jon, nacaseven und hm

Hätt ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mal die Geheimnisse der weiblichen Anatomie erklären muss. Schuld ist derStandard.at — dort hat man einen Bericht aus der „Klatsch und Tratsch“-Ecke von Yahoo Lifestyle aufgegriffen und vermeldet forsch:

Von korrekter Anatomie scheint man Victoria’s Secret nicht allzu viel Ahnung zu haben [sic!]. Das Modelabel setzt sich wiederholt mit schlecht retuschierten Fotos in die Nesseln. […] Auf dem zuletzt entdeckten Foto ist ein Model im Bikini zu sehen, bei dem ganz offensichtlich mehrere Retuschen vorgenommen wurden. Am stärksten fällt jedoch die unnatürlich dünne Taille auf.

Nun, bei dem Model handelt es sich um Candice Swanepoel. Und deren Taille — sorry liebe Damen — sieht tatsächlich so aus, ganz ohne Photoshop. Um sicherzugehen, dass die beiden folgenden Vergleichsfotos wirklich unverfälscht sind, handelt es sich um Standbilder aus einem Video des Models:

Aber mal ehrlich, es gibt echt Schlimmeres, als dass eine Zeitungsredaktion nicht aus dem Effeff weiß, wie spärlich bekleidete Damen aussehen. (Mir geht’s da übrigens ähnlich, daher bedanke ich mich bei „werwolfi“ für seinen aufschlussreichen Kommentar unter dem Standard-Artikel.)

Laut einem Artikel auf Heute.at hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangenen Mittwoch großes Glück bei einem Helikopterflug:

Beide Antriebsturbinen fielen aus, konnten erst wenige hundert Meter über dem Boden wieder gestartet werden.

Weiter heißt es:

Der Helikopter landete zunächst in Offenburg, beim Weiterflug nach Oberschleißheim kam es schließlich zu technischen Komplikationen.

Was man bei diesem Satz vergessen hat, ist die Information, dass Angela Merkel in Offenburg bereits ausgestiegen war, um einen Wahlkampftermin wahrzunehmen. Der Hubschrauber, nun ohne Merkel, flog daraufhin nach einem Tankstopp zurück zu seiner Einsatzbasis, als sich nach gut 200 Kilometern der Beinahe-Unfall ereignete. Die Kanzlerin selbst war also nie in Gefahr. Von „Merkel entging nur knapp Helikopter-Unfall“ (Krone.at) kann also keine und von „Merkel stürzte beinahe mit Hubschrauber ab“ (Heute.at) erst recht keine Rede sein.

Der Spiegel-Online titelte „Merkel-Hubschrauber entgeht nur knapp Absturz“ und ergänzte:

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels entstand der Eindruck, Merkel habe zum Zeitpunkt des Beinahe-Unglücks noch in dem Helikopter gesessen. Dies war nicht der Fall. Wir entschuldigen uns für die Unklarheit.

Großartig auch das kleine Schaubild auf Bild.de, das das dramatische Ereignis zusammenfasst. Besondere Aufmerksamkeit bitte auf das kleine Auto am unteren Rand!

Das BILDblog hat eine Übersicht über weitere deutschsprachige Medien.

Die medizinische Wirkung von homöopathischen Präparaten ist, ich will es einmal milde formulieren, äußerst umstritten. Oder besser gesagt: Wissenschaftlich betrachtet nicht vorhanden.

Das scheint aber noch nicht bis zum ORF Oberösterreich durchgedrungen zu sein. Das Thema: Eine österreichische Homöopathengesellschaft, konkret die Ärztegesellschaft für klassische Homöopathie (kurz ÄKH), fordert mehr Krankenkassenleistungen. Schon jetzt zahlt die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse für homöopathische „Medikamente“, aber auch der teure Besuch beim Homöopathen sollte laut ÄKH zukünftig abgegolten werden. Was in der Sendung Oberösterreich Heute vom 17.03.2011 dann dem Zuschauer präsentiert wurde, ist einseitig, blauäugig, manchmal schlichtweg falsch und zweitweise regelrechte Homöopathie-Propaganda.

Hier nur einige der vielen haarsträubenden Zitate aus dem sechsminütigen Beitrag:

Mit Arzneien, die so verdünnt verabreicht werden, dass Wirksubstanzen nicht nachweisbar sind. Die Wirkung wird nur durch den Informationsgehalt der Arznei erreicht.

Nun müsste dem Zuschauer nur noch jemand erklären, was der „Informationsgehalt der Arznei“ ist.

Wobei die klassische Homöopathie auch ihre Grenzen klar darlegt und nach Operationen oder im Fall von Krebs oft zusätzlich zur Chemo- oder Strahlentherapie angewendet wird.

Dass Homöopathie zusätzlich hilft, Krebs zu heilen, ist beinahe schon fahrlässig falsch.

In der Schweiz haben ein Bericht, der der Homöopathie wissenschaftliche Effektivität bescheinigt und ein Volksentscheid dazu geführt, dass ab 2012 die Kassen homöopathische Behandlungen bezahlen.

Das ist ebenso nur teilweise richtig, das beweist schon die Lektüre des zugehörigen ORF-Online Artikels. Dort findet sich im letzten Absatz nämlich der Beschluss des Eidgenössischen Department für Inneres und der lautet folgendermaßen:

Bis heute fehlt der Nachweis, dass diese fünf Behandlungsmethoden (Homöopathie, anthroposophische Medizin, Neuraltherapie, Phytotherapie und die traditionelle chinesische Medizin – Anm. des Autors) gesetzlichen Kriterien der Wirksamkeit, der Zweckmässigkeit [sic] und der Wirtschaftlichkeit (WZW) vollumfänglich erfüllen.

Im Studiogespräch von Oberösterreich Heute geht es in diesem Tonfall weiter. Geladen sind klarerweise keine Kritiker der Homöopathie, sondern ein praktizierender Homöopath und Prim. Prof. Dr. Maximilian Gstöttner von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse. Letzterer lässt keinen Zweifel mehr:

[…] völlig außer Streit ob Homöopathie wirkt oder nicht. Sie wirkt.

Und wer freut sich schlussendlich über diese Berichterstattung? Eh klar: die ÄKH. Damit die Krankenkassen weiter/noch mehr für angeblich heilende Zuckerkugeln blechen.

(Dank an Stefan Löffler für den Hinweis.)