Am Traunsee in Gmunden ist ein heftig kritisiertes Immobilien-Projekt geplant. Die Presse berichtet praktisch ausschließlich positiv und blendet kritische Stimmen fast zur Gänze aus.

Auf den Flächen des Gmundner Seebahnhofs und des ehemaligen Parkhotels soll ein neues Vier-Sterne-Plus-Hotel entstehen. Dazu sind Wohnungen, die das Hotel querfinanzieren sollen, und Geschäftslokale geplant. Der Wiener Immobilienentwickler Soravia verantwortet das Projekt namens „Seeviertel“. Das Projekt ist umstritten – es gibt in der Bevölkerung Bedenken und lautstarke Kritik. In der Presse erfahren die Leser:innen davon fast nichts.
Fangen wir mit der Kritik an: Fehlende Bescheide, eine im Raum stehende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die es (bis jetzt) nicht gab, und Diskussionen sowie Kritik im Gemeinderat verzögern das Projekt, das eigentlich schon 2025 fertig sein sollte.
„Im Seeviertel droht eine Geistersiedlung zu entstehen“, äußerte Gmundens Grüne-Stadtrat Michael Mugrauer Bedenken, nachdem heuer bekannt geworden war, dass Immobilienkonzern Soravia die entstehenden Wohnungen zu einem Großteil (75 Prozent) als Nebenwohnsitze vermarkten möchte. Ursprünglich hatten sich Soravia und die Stadtgemeinde Gmunden vertraglich darauf geeinigt, dass 75 Prozent der Wohnungen Hauptwohnsitze sein sollen.
In der ORF-Sendung „Ein Ort am Wort“ gab es dazu eine kontroversielle Debatte. Der Falter berichtet ebenfalls über das Projekt und titelt: „Hier entsteht statt Wohnraum die nächste Luxus-Zweitwohnsitz-Hölle“.
Einseitige Berichterstattung
Die Presse berichtet am 25. September über das Seeviertel-Projekt. Von all der Kritik erfahren die Leser:innen fast nichts. „Soravia investiert 170 Millionen Euro am Traunsee“, heißt es im Titel. Insgesamt zeichnet Die Presse ein überaus positives Bild des Projekts.
Soravia-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss kommt zu Wort. Das Seeviertel-Projekt stärke die regionale Wirtschaft und sichere der Stadt Gmunden über Jahrzehnte planbare Einnahmen, ist zu lesen. Bedenken fallen fast zur Gänze unter den Tisch. Im vorletzten Absatz heißt es lediglich: „Zu den Wohnungen gab es im Vorfeld Kritik. Da es sich dabei eher um Ferienwohnungen in der gehobenen Preisklasse handeln würde.“
Auf Kobuk-Anfrage, wie es zu dem unkritischen Bericht gekommen ist, wollte die Autorin des Presse-Artikels nicht zitiert werden. Sie hielt aber fest, dass sie in der Vergangenheit kritisch über den Immobilienkonzern Soravia berichtete. Zum Beispiel über die „Triiiple“-Türme im dritten Bezirk in Wien. Auch über ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs gegen Erwin Soravia, Mitgründer des Immobilienkonzerns Soravia, war in der Presse zu lesen. Das Ermittlungsverfahren wurde im Sommer von der Staatsanwaltschaft Graz eingestellt.
Allerdings ist in keinem Presse-Artikel der vergangenen Jahre, in denen das Seeviertel-Projekt Erwähnung fand, von kritischen Stimmen zu lesen. Dafür haben wir Werbung gefunden. In der Presse gab es 2024 innerhalb weniger Monate zwei Anzeigen zu dem Projekt – zum einen standen die Wohnungen im Mittelpunkt, zum anderen eine Anleihe für das Hotelprojekt.
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