In der Ausgabe vom 6.12. erzählt „Heute“ die Erfolge des spanischen „Tormanngottes“ Iker Casillas in Bildern:
Doch der gezeigte „legendäre WM-Kuss beim Interview“ ist nur eine Imitation des berühmten Kusses Iker Casillas und seiner Freundin Sara Carbonero bei der WM 2010, wie man auf YouTube erkennen kann (am besten anhand des hineinmontierten Hintergrundes):
Falscher Kuss (Youtube): Richtiger Kuss (Youtube):
Österreich, die Süddeutsche oder das Abendblatt machten es im Juli 2010 richtig und veröffentlichten das originale Kussbild, auf Heute.at konnte kein früherer Bericht darüber gefunden werden.
(Danke an die beiden in Wien weilenden spanischen Touristen für den Hinweis!)
Die Gratiszeitung „Heute“ infomiert am 2.12. über himmelschreiende Ungerechtigkeiten der heimischen Justiz, über „Wahnsinns-Urteile“, nach denen einmal Lügen so viel koste wie 20 gebrochene Frauennasen:
Auch wenn die konkrete Strafbemessung für Laien schwierig erscheint, sollten Journalisten, die sich darüber lauthals und vorallem publizistisch mockieren, sich zumindest ein wenig schlau machen:
- Geldstrafen berechnen sich nach Tagsätzen. Lediglich die Anzahl dieser Tagsätze richtet sich nach der Art und Schwere der Tat, und damit auch nach konkret vorliegenden mildernden oder erschwerenden Umständen, wie beispielsweise der (Un-)Bescholtenheit des Täters.
- Die Höhe dieser Tagsätze allerdings bestimmt sich nach den wirtschaftlichen und persönlichen Umständen des Täters – und ist mit mindestens €4 und höchstens €5.000 festzusetzen (Strafgesetzbuch §19).
Die Strafbemessung ist also nicht einfach ein Preiszetterl, das auf einer Tat klebt. Eine niedrige Geldstrafe kann einfach ein Indiz dafür sein, dass der Täter ein armer Schlucker ist und/oder mildernde Umstände vorlagen.
Sich damit näher auseinander zu setzten, hätte die Geschichte obsolet gemacht war „Heute“ wohl zu langweilig.
(Danke für den Hinweis an Georg Wageneder.)
Update:
Beispiel für gelungene Kritik an der österreichischen Justiz im Standard.
Bitte nicht nachmachen. Das Gehirn 40 Minuten ohne Sauerstoff und dabei keinen Schaden davontragen, das können nur speziell ausgebildete „Heute“-Redakteure … sich ausdenken:
Bub (2) überlebt 40 Minuten unter Wasser.
Caleb (li.) war in Arizona (USA) in einen Pool gefallen, trieb 40 Minuten lang unter Wasser. Als ihn seine Mama fand, schlug sein Herz nicht mehr. Dann das Wunder: Ärzte holen den Buben im Spital zurück ins Leben — Caleb ist auf dem Weg der Besserung.
Es lief so ab: Der Junge war von seiner Mutter leblos im Pool gefunden worden. Nach über einer halben Stunde gelang es, ihn wieder zu reanimieren — da war er natürlich längst nicht mehr „unter Wasser“. Mittlerweile ist der Bub vollständig genesen und hat glücklicherweise auch keine Folgeschäden davongetragen, die spätestens nach fünf Minuten ohne Sauerstoff irreversibel eingetreten wären, wie „Heute“ heute jeder weiß.
Drei Menschen sprachen mit „Heute“ über „die eine Sekunde, die unser Leben rettete“ – auch Ex-Miss-Austria Patricia Kaiser kam dabei zu Wort.
Äh… kam angeblich zu Wort. Wie die 27-Jährige auf ihrer Facebook-Seite erklärte, gab es nämlich nie ein Gespräch zwischen ihr und „Heute“…
Vielen Dank an @maldungi für den Hinweis!
(… und vergisst dabei einen kleinen Budgetposten)
Die Spatzen pfeifen es schon lange von den Dächern: Österreich hat zu viele Schulden angehäuft und nun drohen ernste Konsequenzen. Dabei wären die so einfach abzuwenden. Jeder Stammtisch kann es. Und die Experten für Steuergeldverschwendung bei „Heute“ sowieso:
Herr Faymann, Herr Spindelegger! Lesen Sie das hier, dann sparen wir uns 12 Milliarden
Hier einige der, im wahrsten Sinne, revolutionären Sparideen der „Heute“-Redaktion:
Ausgediente ÖBBler erhalten künftig keinen, ja wirklich, keinen Euro staatliche Pension mehr (bringt laut „Heute“ 1,7 Milliarden).
- Alle Staatsgelder für Investitionen der Bahn in unsere
WirtschaftInfrastruktur und unrentable Bahnstrecken werden ebenfalls gestrichen (bringt 2,1 Milliarden). - Die Kosten für die Sanierung des Parlaments kennt noch keiner genau, aber „Heute“ weiß: von einem Fantasiebetrag kann man locker die Hälfte abziehen (bringt 250 Millionen).
Bis hinunter zu 29 Mio. geht die Liste. Doch, halt: Ganze 100 Millionen leicht gesparte Euro hat „Heute“ einfach übersehen. Doch das holen wir gerne nach:
Herr Faymann, Herr Spindelegger!
Lesen* Sie das hier, dann sparen wir uns 100 Millionen:
Juristen warnen, dass Politiker mithilfe von Regierungsinseraten die Medienfreiheit untergraben – einen Grundpfeiler der Demokratie. […] Der Staat und staatsnahe Unternehmen dürften an die 100 Millionen Euro pro Jahr für Inserate und Kampagnen ausgeben.
*) Sie können es sich auch anhören: Ö1 Mittagsjournal, “Medienfreiheit in Gefahr”
Wie konnte diese demokratieschädigende Steuergeldverschwendung der Sparwut von „Heute“ entgehen? Ach so…
Politikinserate
Anteil am gesamten Anzeigenvolumen von „Heute“: 28 %
Durchschnitt aller österr. Tageszeitungen: 12 %Quelle: derStandard.at
PS: Falls ihr weitere Ungereimtheiten in den Sparplänen von „Heute“ entdeckt, postet sie bitte in den Kommentaren.
Wie die Kobuk-Leser bestimmt schon wissen, haben die österreichischen Medien so ihre Probleme mit dem Balkangebiet.
Auf den ersten Blick beschreibt ein Artikel in der „Heute“-Ausgabe vom 11.11. die „Reichweiten der vier Mullah-Raketen“, doch wirft man einen genaueren Blick auf die Karte, so fällt auf: In der Balkanregion fehlen zwei Länder, die erst „kürzlich“ unabhängig wurden: Montenegro (seit Juni 2006 unabhängig) und Kosovo (Unabhängigkeit von Serbien wurde im Februar 2008 proklamiert).
Ob „Heute“ uns dadurch mitteilen will, dass die Redaktion diese beiden Länder nicht anerkennen will, oder ob dies bedeutet, dass man in der Redaktion politisch nicht auf dem Laufenden ist, ist Interpretationssache.
Welchen Sinn der Pfeil haben soll, ist auch ein Rätsel. Er beginnt weder in Teheran, noch bei den eingezeichneten Atomanlagen. Er endet noch dazu im Atlantik, wobei er auch auf den Text zeigen könnte. In diesem Fall unterstellt „Heute“ ihren Lesern aber die Unfähigkeit, den Zusammenhang zwischen Bild und daneben stehendem Text zu erkennen.
PS.: Auf Seite 20 in der selben Ausgabe wird der Begriff „Männlichkeit“ definiert:
Wieder etwas gelernt: Ameisen machen Honig.
Bei manchen Artikeln weiß man nicht recht ob diese ernst gemeint sein sollen oder nicht, wie zuletzt bei diesem, erschienen in „Heute“ am 17. Oktober:
Dieser Artikel erinnert mehr an ein Kinderbuch, das jungen Lesern Albträume bereiten könnte, anstatt an eine qualitative, journalistische Arbeit.
„Viele Jahre lebte Hirsch Hansi glücklich im Wald“
… und…
„Jägern ist er ein Leben lang geschickt ausgewichen“
… doch am …
“Samstagabend stakste der Zwölfender über die Fernpass-Straße und übersah dabei den Pkw eines Innsbrucker Ehepaares“
Interessant, dass „Heute“ den Hirsch in eine Erzählperspektive rückt und ihm eine Identität verleiht, wahrscheinlich wäre eine Kurzmeldung „Wildunfall auf Fernpass-Straße, Lenker leicht verletzt“ zu wenig Sensation gewesen. Über das Schicksal der menschlichen Beteiligten wird nur am Rande berichtet:
„Der Lenker konnte aus dem Wrack befreit werden – leicht verletzt! Hansi verendete noch am Asphalt“
Da müht man sich ab, in den besten Redaktionen des Landes,
trotzt mit gefüllter Portokassa den kleinkarierten Beschränkungen des Medienrechts
und pfeift auf journalistische Moral und Ehrenkodex sowieso.
Immerhin hat man einen Informationsauftrag zu erfüllen. Muss den Lesern ein gnadenlos recherchiertes Bild vermitteln, über diesen abartigen Eigenbrötler, der sich nie am Gemeindeleben beteiligte und in keinem Verein war:
Außer beim ASKÖ, über 60 Jahre — doch was kümmern uns unsere Lügen vom letzten Tag? Heut ist wahr. Gestern war.
Und dennoch gibt es immer noch Menschen, die diesem “Inzest-Monster” die … Stange halten:
Die trotz aller Aufklärungsarbeit der Top-Journalisten-Richter-Henker dieses Landes erst ein Gerichtsurteil abwarten möchten, oder zumindest die offizielle Anklage, bevor sie sich über diesen Mann — von dem sie derzeit gesichert nur wissen, dass er von seinen Töchtern mehrere Tage hilflos am Boden liegen gelassen wurde und nun schwer von ihnen beschuldigt wird — ihr eigenes Urteil bilden. Ja lesen diese Menschen denn keine Zeitung?!
Ein „Heute“-Redakteur bringt kopfschüttelnd und leicht fassungslos auf den Punkt, was er von der Einstellung solcher Bürger hält, die das mediale Vor-Urteil infrage stellen:
Wahnsinn!
Update 9.9.2011: Der Verdächtige wurde heute aus der U-Haft entlassen. Die Inzest-Vorwürfe waren Medienberichten zufolge ein Missverständnis bei der Einvernahme der beiden geistig beeinträchtigten Schwestern. Und jetzt einfach noch mal die Bilder anschauen, in diesem Artikel.
Der Weltmilchtag (1. Juni, für alle, die das auch nicht wussten) ist „Heute“ einen ganzseitigen Spezialteil wert, ohne jegliche Kennzeichnung als werbliche Einschaltung. „Milch wird immer bestens behandelt“ steht da.
Das dürfte auch für die AMA (Agrarmarkt Austria) gelten. Der Vorstandsvorsitzende der AMA kommt zu Wort, in einer Meldung wird Werbung für AMA-Broschüren gemacht und in einem Einspalter findet sich gar das AMA-Logo. Ganze sechs Nennungen der AMA auf einer Seite. Zitat: „Das AMA-Gütesiegel setzt der Milch die Krone auf“.
Passend dazu gleich auf der folgenden Seite ein Inserat der AMA – „Krönender Genuss“:
Wenn da die Milch nicht sauer wird..
Im Wirtschaftsteil der „Heute“-Ausgabe von heute findet man einen kleinen Artikel über die neue Marke „Jeden Tag“, mit der die Kette Zielpunkt vermehrt Kunden gewinnen wolle. Samt Logo-Abdruck und der werblichen Überschrift Eigenmarke zum Minipreis.
Auf Seite 27 dann dazu die dazu passende Anzeige, die den Verdacht von Schleichwerbung aufkommen lässt: