Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz war eine von vielen Überraschungskandidat:innen für den ORF-Generalsposten. Armin Wolf tat auf der Plattform Bluesky seine Ratlosigkeit über ihre Nominierung durch den Stiftungsrat kund und bezeichnete den Exxpress als „rechte, rassistische Fake News-Schleuder“. Das sorgte für Empörung, vor allem beim Exxpress. Dabei sollte der Redaktion ihr eigener Umgang mit Falschnachrichten und rassistischen Narrativen nichts Neues sein. Eine Bestandsaufnahme.
Neun Bewerber:innen stellten sich am 11. Juni der Stiftungsrats-Wahl zum oder zur neuen ORF-Chef:in. Exxpress-Herausgeberin und Chefredakteurin Eva Schütz war eine von ihnen. Und laut ihrem Hausmedium war sie sogar die „ORF-Generaldirektorin der Zuseher“, denn: „Eva Schütz in Umfragen klar vorne“, titelte der Exxpress am Dienstag.
Abgesehen davon, dass Zuseher:innen und Umfragen für die Bestellung keine Rolle spielen, sind die im Exxpress kolportierten Zahlen irreführend. Schütz würde in einer Umfrage der Gratiszeitung Heute auf 57 Prozent Zustimmung kommen, steht dort.
Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine echte Meinungsumfrage, sondern um ein Voting unter Heute-Leser:innen, eingebettet in einem Artikel über Schütz’ Kandidatur. Der Artikel ist außerdem bereits zwei Wochen alt. In einem aktuelleren Voting kommt Schütz nur auf 13 Prozent.
Das Gefühl, dass daran irgendetwas nicht stimmen kann, beschleicht einen beim Exxpress-Lesen öfter. Dem Medium „für Selberdenker“ haben wir mit Faktenchecks deshalb schon mehrmals beim Nachdenken nachgeholfen.
Der User @bjoernsenior.bsky.social dokumentiert ebenfalls schon seit Jahren Unstimmigkeiten, Fehler und Falschnachrichten der Plattform – vermehrt findet sich darunter auch mutmaßlicher KI-Content. Aber wie viel davon sind wirklich „Fake News“? Und was kann man dort sogar als „rassistisch“ bezeichnen?
Der „Fake-News“-Vorwurf
Wir lassen den ganzen KI-Slop – also die mutmaßlich mit Hilfe künstlicher Intelligenz produzierten Blödsinnigkeiten – an dieser Stelle außen vor. Auch wenn wir dafür auf einen österreichischen „Kanzler Andrew Babler“ oder den „Ex-Präsidenten“ Donald Trump verzichten müssen. Was uns hier interessiert, sind Falschnachrichten, die in die Irre führen.
Zum Beispiel bei Meldungen zum Klimawandel. Den zweiten österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel versuchte der Exxpress vergangenes Jahr als „simple Binsenweisheit“ zu verkaufen – und die Berichte darüber als „Panikmache“. Der Exxpress störte sich an der Feststellung, dass sich Österreich schneller als der globale Durchschnitt erwärmt.
Das Blatt ist nämlich draufgekommen, dass sich ja nicht nur Österreich, sondern sehr viele Länder schneller als der globale Durchschnitt erwärmen, weil dazu auch die (kälteren) Ozeane gezählt werden. Und schließt offenbar daraus: Dann kann das Ganze ja nicht so schlimm sein. Diese Kritik sei „so simpel wie entlarvend“, schreibt der Exxpress über sich selbst.
Es wirkt nicht so, als hätte sich jemand angesehen, worum es in der Arbeit der Wissenschaftler:innen eigentlich ging (unter anderem die regionalen Auswirkungen des Klimawandels). Dass in diesem Medium einmal sogar Schneefall die Existenz des Klimawandels relativierte, dürfte da nicht weiter verwundern.
Der Exxpress verbreitete in den letzten Jahren außerdem die Falschbehauptung, dass die Maskenpflicht während der Pandemie keine Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen gehabt hätte. Im November 2024 erschien beim Exxpress ein Artikel über den Mythos, vermehrte „plötzliche und unerwartete“ Todesfälle seien auf die Corona-Impfung zurückzuführen.
Irreführende Geschichten über Asyl und Migration
In auffällig vielen irreführenden Berichten des Exxpress geht es um die Themen Asyl und Migration. Da wäre zum Beispiel die Behauptung, dass vorbestrafte Asylwerber:innen selbst mit einer Haftstrafe „problemlos Österreicher werden“ könnten. Die Quelle ist ein FPÖ-Video. Die Behauptung ist falsch. Das ist im Staatsbürgerschaftsgesetz klar geregelt.
Oder dass an einer Wiener Volksschule Ramadan statt Weihnachten gefeiert würde, auch das haben wir widerlegt.
Oder nehmen wir den Mythos um „‚Schwäne essende‘ Migranten“ aus dem vergangenen September. Aufgewärmt hat ihn damals der rechtspopulistische Politiker Nigel Farage in einem Radio-Interview. „Jetzt kommt alles raus!“, titelte der Exxpress.
Eine Statistik über Angriffe auf Schwäne sollte den Mythos belegen, Hinweise auf migrantische Täter:innen liefert diese aber nicht. Ein Tierschutzverein vermutete dahinter vielmehr Jugendliche, die die Tiere „aus Spaß“ attackieren würden. Auch Fotos, die der Exxpress einbettete, um das Narrativ zu untermaueren, hat die örtliche Polizei schon 2024 widerlegt.
Interessant ist vor allem das Wahrheitsverständnis, dass die Redaktion in Bezug auf Farages Äußerung offenlegt: „Solange das Gegenteil nicht eindeutig belegt sei [sic], sollten [sic] seine Warnung ernst genommen werden.“
Anfang Mai lässt uns der Exxpress zudem wissen, dass die Donauinsel nun eine „NoGo Area“ ist. Der Grund? „Rassismus gegen Österreicher“. Die Insel sei „fest in muslimischer Hand“, schreibt ein oder eine unbekannte:r Redakteur:in. Und: Sexuelle Belästigung im FKK-Bereich sei ein großes Problem – „sowohl durch Österreicher als auch muslimische junge Männer“.
Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Berichte über sexuelle Übergriffe im Nacktbereich. Aber von „muslimischen Männern“? Woher hat der Exxpress das? Eine Quelle erwähnt er nicht. „Sogar abgebissene Ohren stehen auf der Tagesliste [sic]“, meint der Exxpress weiter. Uns ist nur ein einziger Fall bekannt. Gewohnt nüchtern zieht das Blatt Fazit:
Durch unzählige Banden aus aller Herren Länder, die dort in den warmen Monaten herumlungern, ist es für die Stadt und die Polizei fast unmöglich, die Sicherheit auf der Donauinsel zu gewährleisten.
Der Umgang mit Falschnachrichten
Fälschlicherweise berichtete der Exxpress auch, österreichische Wissenschaftler:innen würden einen „Bevölkerungsaustausch“ befürworten. In einem offenen Brief warnten tausende Uniprofessor:innen vor einer möglichen FPÖ-ÖVP-Regierung. Der Brief ist nicht besonders lang. Dass ihn beim Exxpress ein Mensch gelesen hat, ist aber zu bezweifeln. Denn er schreibt:
Ein Satz zum Schluss des Briefes macht allerdings stutzig: Dort fordern die ‚Wissenschaftler*innen‘ ein ‚eindeutiges und unzweifelhaftes Ja zum Bevölkerungsaustausch, weils uns in unseren Elfenbeintürmen eh nicht betrifft‘.
Das Zitat ist erfunden. In Wahrheit formulierten die „Wissenschaftler:innen für Demokratie“ folgenden Satz:
Wir (…) fordern ein eindeutiges und unzweifelhaftes JA ZUR DEMOKRATIE, JA ZUR OFFENEN GESELLSCHAFT sowie zur Freiheit der Forschung und ihrer Lehre.
Entlarvend ist zudem auch der Umgang des Exxpress mit seinen Falschnachrichten: Sie bleiben meistens einfach stehen. Die längst widerlegte Falschbehauptung, BRICS-Staaten würden „künftig 80 Prozent der Ölproduktion“ kontrollieren, steht dort zum Beispiel ebenso noch wie die irrsinnige Behauptung, dass „62.000 Liter“ HIV-verseuchte Blutkonserven in die Ukraine geliefert werden sollten.
Falschnachrichten zum Fall Castillo
Auf der Exxpress-Website finden sich regelmäßig tendenziöse und ideologisch aufgeladene Beiträge – wir haben das beispielsweise anhand der Berichte nach dem tödlichen Attentat auf Charlie Kirk dokumentiert. Auch im Fall Noelia Castillo kann man das beobachten.
Die 25-jährige Spanierin hat sich für einen assistierten Suizid entschieden, der Fall sorgte in Spanien für eine Debatte über Sterbehilfe – und wurde von rechten und ultrakatholischen Akteur:innen instrumentalisiert.
Mittendrin der Exxpress: Er bettet ein X-Posting ein, in dem die Falschbehauptung verbreitet wird, Castillo hätte ihre „beste Freundin“ vorab nicht sehen dürfen – „weil sie befürchten, dass sie es sich vielleicht noch anders überlegt und nicht zustimmt, getötet zu werden und dass ihre Organe entnommen werden“. Sowohl der Mythos zur Organspende als auch die Erzählung, enge Freund:innen wären von Castillo weggehalten worden, gehören zu den bereits widerlegten Falschbehauptungen rund um den Fall.
Eine weitere Desinformation, die sich im Fall Castillo hartnäckig hält, ist die Behauptung, sie sei von einer Gruppe Migranten vergewaltigt worden.
Im Exxpress-„Nachtflug“ mit dem positiven Jahresmotto „Tabuthemen 2026 – Migration, Gewalt & Meinungsfreiheit eskalieren“ zitiert Exxpress-Kolumnist Bernhard Heinzlmaier „alternative Medien“: Es hätte sich um „Migranten aus dem Magreb“ gehandelt. Das Factchecking-Team der deutschen Presseagentur findet „kein[en] Beleg für Beteiligung von Migranten an sexuellen Übergriffen auf Noelia Castillo“.
„Der Ruf der Migrant:innen darf nicht geschädigt werden und da ist man sogar bereit, 788 Gruppenvergewaltigungen in Deutschland unter den Teppich zu kehren“, behauptet Heinzlmaier in diesem Gespräch außerdem. Die Zahl ist richtig, was in dieser Statistik allerdings auch belegt ist: die meisten Gruppenvergewaltigungen begehen mit Abstand Deutsche. Moderiert wird die Sendung übrigens von Herausgeberin Eva Schütz. Kritische Nachfragen bleiben aus.
Der Rassismus-Vorwurf
Ob der Exxpress als Medium „rassistisch“ agiert, ist nicht einfach zu beantworten. Armin Wolf bezieht sich mit seinem Posting auf Kommentare im Exxpress-Forum, in denen von den „Sitten der Teppichlutscher“ die Rede ist und „Remigration“ gefordert wird. Weil sie die meisten User:innen-Likes bekommen haben, befinden sie sich kurzzeitig auf der Startseite als „Top-Kommentare“.
Begriffe wie „Umvolkung“ und „Bevölkerungsaustausch“ tummeln sich ganz selbstverständlich ebenso in den Kommentarspalten. In seinen Berichten verwendet der Exxpress diese Wörter nicht, bedient aber ähnliche Bilder. In einem Artikel über die Talent Partnerships der EU mit anderen Ländern schreibt der Exxpress zum Beispiel: „Noch kommen nicht Hunderttausende über solche Programme. Aber die Rohre werden verlegt.“
Das „Austausch“-Narrativ bedient auch diese Schlagzeile: „In der Tagesschau heißen Deutsche jetzt ‚Nicht-Migranten‘“. In Wahrheit kündigt die Sprecherin eine Initiative von „Migranten und Nicht-Migranten“ an, bei der Ehrenamtliche Deutschkurse anbieten. Obwohl für das Publikum völlig klar ist, wer gemeint ist, zieht die Schlagzeile diese Formulierung bewusst aus dem Kontext.
Es ist ein klassisches Beispiel für „Rage Bait“; das gezielte Schüren von Empörung, um Reichweite zu generieren. Der Beitrag erschien ursprünglich auf Nius, dem „Partnermedium“ und Mehrheitseigentümer des Exxpress.
Rassistische Narrative in Meinungsbeiträgen
Zugpferde sind die Kolumnisten. In Beiträgen von Bernhard Heinzlmaier oder Ralph Schöllhammer werden die Begriffe „Bevölkerungsaustausch“ und „Schuldkult“ für vermeintliche Analysen genutzt („wenn man das [so nennen] dürfte“, wie Heinzlmaier ergänzt) – beides sind rassistisch aufgeladene Kampfbegriffe.
Ein weiterer Exxpress-Gastkommentator, der FPÖ-Nahe Publizist Werner Reichel, erklärt indes, warum so viele Tourist:innen aus dem „sich durch Massenzuwanderung selbst zerstörendem Europa“ gerne nach Japan reisen würden. Das läge am dortigen „kulturell homogenen Staatsvolk“. „Es ist für viele, vor allem Junge, ein letztes Schlupfloch, um der europäischen Tragödie zumindest zeitweise zu entfliehen.“
Bei manchen Kommentaren ergänzt der Exxpress einen Hinweis: „Gastkommentare stellen die Meinung der jeweiligen externen Autoren dar und müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.“ Dieser ist so einer.
Natürlich ist die „Meinung anderer“ erstmal nur eine Meinung anderer. Dennoch steckt hinter Gastbeiträgen eine redaktionelle Entscheidung (oder sollte es zumindest). Sätze wie „Westeuropa hat das groß angelegte Experiment durchgeführt, die Babys, die sie nicht haben wollten, durch Kinder aus der nicht-westlichen Welt zu ersetzen“ zahlen auf die „Great Replacement Theory“ ein. Das muss man als Redaktion wissen und wollen.
Wir wollten vom Exxpress daher wissen, wo die Redaktion die Grenze zwischen Migrationskritik und rassistischen Narrativen zieht. Man hat uns nicht geantwortet.
In einem Thread auf Bluesky zeigte @bjoernsenior.bsky.social zuletzt eindrücklich, „wie der exxpress rechtsextreme Akteure und deren Sprache normalisiert“. Neben dem Einbetten radikaler Postings („Deport all Muslims“) gehört dazu, den Rechtsextremisten Tommy Robinson als „Bürgerrechtler“, Identitäre als „patriotische Gruppe“ und die Identitären-Parole „Defend Europe“ als „klar pro-europäische Botschaft“ zu verharmlosen.
Wiederkehrendes Muster
Die Beispiele belegen: Der Exxpress berichtet nicht nur irreführend und tendenziös, er verbreitet auch nachweislich Falschinformationen. Auffällig häufig betrifft dies Narrative über Menschen anderer Herkunft. Das reicht noch nicht, um den Exxpress pauschal als „rassistisches Medium“ zu bezeichnen. Es zeigt aber ein wiederkehrendes Muster, in dem Falschinformationen, selektive Darstellung und rassistisch aufgeladene Narrative einen relevanten Teil der Inhalte bestimmen.
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Die Boulevard-Berichte über den Tod von Johanna G. sind an Voyeurismus kaum zu überbieten. Während die Redaktionen private Details der Getöteten ausschlachten, stilisieren sie den mutmaßlichen Täter zur erzählbaren Figur. Das macht die Frau zum zweiten Mal zum Opfer.
„Ich darf Sie eindrücklich darum ersuchen, ethisch und moralisch vertretbare Berichterstattung an den Tag zu legen“ – mit diesen Abschlussworten wendet sich Markus Lamb, der Pressesprecher der Polizei, an die anwesenden Medienvertreter:innen. Es ist der 14. Jänner, die Landespolizeidirektion Steiermark hat zur „Pressekonferenz nach Leichenfund“ geladen. Es geht um den mutmaßlichen Mord der zuvor als vermisst gegoltenen Südsteirerin Johanna G.
„Ethisch und moralisch vertretbar“ ist das, was Wiener Boulevardmedien seitdem veröffentlichen, jedenfalls nicht. Sie geben dem Opfer in mehreren Berichten eine Mitschuld und lassen die Verteidigung des Täters (es sei ein „Sex-Unfall“ gewesen) dominieren. Fotos aus Ermittlungsakten werden auf Doppelseiten abgedruckt, die Tat als „tödliches Geschehen“ oder „Würgespielchen“ verharmlost. Wir haben uns die zentralen Erzählmuster angesehen.
Disclaimer: Es fällt nicht leicht, diesen Text zu schreiben. Einerseits wollen wir nicht reproduzieren, was an Gerüchten und Spekulationen herumkursiert und den höchstpersönlichen Lebensbereich des Opfers betrifft. Andererseits müssen wir adressieren, wie unbedacht andere Medien mit genau diesen Informationen umgehen. Wir versuchen aber, nur dort explizit zu werden, wo es notwendig ist, damit man unsere Kritik nachvollziehen kann. Und wir verzichten darauf, wie sonst üblich, die kritisierten Artikel zu verlinken.
Mitschuld des Opfers
Am 17. Jänner titelt das Boulevardblatt Oe24: „Tinder-Affäre brachte Fitnesstrainerin (34) den Tod“. Dazu ein Bild des Täters in Siegerpose – ein Freudenschrei, beide Hände zu Fäusten in die Luft gestreckt. Rechts oben im Eck ein viel kleineres Foto von Johanna G., die er mutmaßlich getötet hat. Sie bekommt eine minimale Verpixelung um die Augen, er einen schwarzen Balken.
Der „Trans-Terror“ ist der neue Islamismus, die österreichische Justizministerin kennt die „Antifa“ nicht und Bluesky ist eine „Brutstätte linker Gewaltfantasien“: Jenseitige Behauptungen und Falschmeldungen sind wir vom Exxpress gewohnt, aber seit der Ermordung von Charlie Kirk hat sich auch dort etwas verschoben. Die Seite arbeitet sich an Feindbildern ab und lässt vor allem die eigene politische Agenda Geschichten erzählen – auch wenn die mit der Wahrheit wenig zu tun haben.
Schuld ist der „Trans-Terror“
Schon die erste Meldung des Exxpress zur Ermordung von Charlie Kirk, Aktivist der neuen amerikanischen Rechten, war bezeichnend: „Linke schießen auf US- Aktivist und Trump-Unterstützer“ hieß es zunächst, wie das APA-Archiv, das mittlerweile gelöschte Facebook-Posting und nicht zuletzt die URL des Artikels bestätigen. Der Titel wurde nachträglich geändert.
Trotzdem bleibt das Narrativ auch zwei Wochen später bestehen: „Die Linken“ haben den Tod von Kirk zu verantworten. Sie seien es, die den „Trans-Terror“ decken würden. Eine entsprechende Analyse liefert Nius, Exxpress-Partnermedium und Mehrheitseigentümer, der Exxpress übernimmt sie. Darin wird eine „Trans-Fanatiker“-Bewegung erfunden, die systematisch Gewalt gegen Kritiker ausübt. Für ein solches Phänomen gibt es keine Belege – deshalb stützt sich die Autorin auch auf Einzelfälle, in denen Täter Transpersonen waren und suggeriert damit eine Kausalität. „Was einst die islamistische Blitzradikalisierung war, ist heute immer öfter eine Online-Radikalisierung im militanten Trans-Milieu“, so das Fazit.
Das Titelbild zum „Trans-Terror“ zeigt übrigens Menschen, die 2023 „eine von Rechtsextremen angefeindete Dragshow schützen. Sie sind weder trans noch Terroristen“, klärt der Spiegel-Journalist Anton Rainer auf Bluesky auf.
Es ist auch ein Zeichen für die „abgründige Stillosigkeit der linken Meute“ (Exxpress–Kolumnist Heinzlmaier), wenn Kirks Tod in den Augen des Exxpress nicht ausreichend betrauert wird. So notiert sich die Plattform, dass Bundespräsident Alexander van der Bellen vor fünf Jahren zwar eine Reaktion auf den Tod von George Floyd und die „Black lives matter“-Bewegung verfasst hat, sich bei Kirk aber nicht öffentlich geäußert hat. Dass im EU-Parlament keine Schweigeminute für Kirk genehmigt wurde, ist für das Blatt selbstverständlich ein „Skandal“.
„Babler in den USA – aber trotzdem kein Kommentar zu Charlie Kirk“ ist dem Exxpress sogar eine Schlagzeile wert. Geschrieben hat den Artikel übrigens eine Autorin, die dort laut LinkedIn-Eintrag gleich eine Doppelrolle in „Sales und Redaktion“ innehat.
Am 1. September berichtete die Financial Times über GPS-Sabotage im Flugzeug von Ursula von der Leyen. Der Flugradar-Dienst Flightradar24 widerspricht und sieht keine Unregelmäßigkeiten. Die Fakten beinhalten viele Grau-Töne, die in den meisten Medien zwischen Alarmismus und „Fake News“-Rufen untergehen.
Henry Foy ist Chef des Brüssel-Büros der Financial Times. Er hat Ursula von der Leyen zuletzt auf ihrer viertägigen Tour durch Osteuropa begleitet. Am Sonntag, den 31. August, sind sie von Warschau nach Bulgarien geflogen. Aber im Landeanflug auf die Stadt Plovdiv im Zentrum des Landes passierte etwas Merkwürdiges: „(…) we lost altitude. We came down to praying for landing, and then all of us on board realised that we were circling the airport. We had been for a while“, erzählt Foy zwei Tage später im hauseigenen Podcast FT News Briefing.
„Sie können sich ja vielleicht vorstellen, dass die Berichterstattung über die Verfassungsrichterwahl und auch über meine Person in den letzten Wochen nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist.“ Frauke Brosius‑Gersdorf sitzt am Dienstagabend im ZDF-Studio bei Markus Lanz. Es ist das erste Mal, dass sich eine Verfassungsrechtlerin, die als Kandidatin für das deutsche Bundesverfassungsgericht gehandelt wird, in einer Talkshow gegen falsche Vorwürfe rund um ihre Person verteidigen muss.
Grund dafür ist eine gezielte Kampagne in den Tagen und Wochen zuvor: Brosius‑Gersdorfs juristische Einschätzungen aus der Vergangenheit wurden skandalisiert, sie persönlich diffamiert. Das Vorgehen weckt Erinnerungen und zeigt, wie wenig alternative Medien tun müssen, um öffentlichkeitswirksam zu werden – und wie sehr sie sich dabei auf etablierte Medien verlassen können. Eine Chronologie:
Der Exxpress steht dem Klimawandel, nun ja, skeptisch gegenüber. Das haben wir unter anderem schon hier aufgeschrieben. Nachdem der neue Sachstandsbericht zum Klimawandel erschienen ist, hat es uns daher nicht überrascht, dass einer der Exxpress-Autoren gleich loszog, um diesen zu relativieren:
„Panikmache: Österreich erwärmt sich schneller als die Erde – doch der Grund ist banal“ lautet also der Titel dieses als Analyse getarnten Kommentars.
Der Artikel ist deshalb interessant, weil der Autor darin mit korrekten Fakten arbeitet – daraus jedoch irreführende Schlüsse zieht und ein verzerrtes Gesamtbild vermittelt. Was ist also dran an der „Panikmache“?
In den Stunden und Tagen nach dem Amoklauf in Graz zeigten einige Medien eine besonders unrühmliche Seite – geprägt von Spekulationen, verstörenden Bildern und unangebrachten Besuchen.
Am Dienstag erschütterte ein Amoklauf an einer Grazer Schule das ganze Land. Während Einsatzkräfte versuchten, die Lage unter Kontrolle zu bringen und Angehörige betreut wurden, übertrafen sich viele Medien in medienethischen Verfehlungen: Sie spekulierten über Motive, zeigten Aufnahmen der Opfer und veröffentlichten identifizierendes Material. Ein Überblick über die schwerwiegendsten Verstöße gegen journalistische Sorgfaltspflichten der letzten beiden Tage.
Klicks über alles – das Problem mit dem Opferschutz
Eine Gruppe homophober Schläger verprügelt systematisch junge Männer. Die Gruppe tarnt ihre Hassverbrechen und behauptet, sie würde Pädophile jagen. Medien tappen in die Falle: Sie übernehmen das Framing der Kriminellen viel zu unkritisch und verzerren so, worum es bei den Straftaten wirklich geht. Denn keines der Opfer war tatsächlich pädophil.
„Razzien: Polizei geht gegen Pädophilen-Jäger vor“, berichtet die Kronen Zeitung am Morgen des 21. März 2025. „Laut ‘Krone’-Infos handelt es sich um eine Aktion gegen die sogenannte ‘Pedo-Hunter-Szene’, die Selbstjustiz gegen Kinderschänder vornimmt“, heißt es weiter. Im nächsten Satz zitiert die Krone einen Beamten der Landespolizeidirektion Steiermark, der von Straftaten „unter dem Deckmantel der Selbstjustiz“ und einem „Hate-Crime-Delikt gegen eine bestimmte Personengruppe“ spricht.
Der „Deckmantel der Selbstjustiz“, den die Polizei später wiederholen wird, ist wichtig. Das bedeutet nämlich, dass die Täter Selbstjustiz lediglich als Vorwand nutzten, um ihre eigentlichen kriminellen oder ideologischen Motive zu verdecken. Den Tätern ging es nicht um Gerechtigkeit, sondern um Hass. Kein einziges Opfer ist der pädophilen Szene zuzuordnen, stellt die Polizei Freitagmittag klar. Und die Täter seien sich dessen „sehr wohl bewusst“ gewesen, betont der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Huber.
Die Krone überarbeitet ihren Artikel, nennt die Täter im Titel nun „Dating-Jäger” und die Opfer „mutmaßliche Kinderschänder”. Aber reicht das?
Dass jemand „plötzlich und unerwartet“ gestorben ist, war eigentlich immer eine traurige, aber auch banale Nachricht in den Medien. Doch dann kam Corona. Und die Corona-Impfung. Und Gruppen, die Angst vor ihr hatten – oder anderen Angst machen wollten. Es kam der Hashtag #plötzlichundunerwartet und mit ihm die Behauptung: Die Corona-Impfung sei schuld an „plötzlichen und unerwarteten“ Toden.
Jetzt soll eine Studie genau das bestätigt haben, berichtet der Exxpress.
Die Kernaussage: Knapp 74 Prozent von 325 untersuchten, plötzlichen Todesfällen seien auf die Impfung zurückzuführen. Diese Menschen seien also nicht „plötzlich und unerwartet“ gestorben, sondern weil sie geimpft waren. Das klingt brisant. Sieht man sich die Studie jedoch genauer an, bleibt von der Behauptung nicht viel übrig.
Die Szene dauert nur ein paar Sekunden: Die Witwe des Chefs der Terrororganisation Hamas, Jihia al-Sinwar, huscht in Aufnahmen aus dem Tunnelsystem hinter ihrer Familie durch das Bild. Doch die Tasche, die sie dabei trägt, beschäftigt Medien auf der ganzen Welt. Es soll sich um das Modell „Birkin“ der Luxusmarke Hermès handeln. Ihr Wert beträgt 32.000 US Dollar. Der Aufschrei ist groß: die Familie des wohl wichtigsten Hamas-Mannes soll sich mit Luxusartikeln im Tunnel verstecken, während über ihnen Armut und Krieg herrscht.

Auch für die österreichischen Boulevardblätter Oe24 und Exxpress ist die Meldung klar: „Frau von Hamas Chef flüchtete mit 32.000 Dollar Tasche“ und „Mit der 30.000 Euro teuren Birkin Bag im Hamas Tunnel“ liest man dort. Nur, woher weiß man überhaupt, dass es sich bei der Handtasche um eine Hermès Birkin handelt? Dazu müssen wir uns drei Dinge etwas genauer ansehen: Die ursprüngliche Quelle, die Tunnelaufnahmen und, natürlich, die Handtasche. Und die zeigen: Die Sache ist nicht so klar, wie es in den Medien klingt. Aber der Reihe nach.












