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Die Abschiebung der Zogajs ist in Österreich zu einem heißen politischen Thema geworden. Heiß wird einem jedoch auch beim Lesen dieses DerStandard.at -Artikels aufgrund von ungeschickt platzierten Werbungen, die in diesem Kontext einfach nur bösartig wirken.

Herzlichen Dank an Georg R. für den Hinweis!

Ausgerechnet die in Sachen Urheberrecht besonders wehleidige Verlagsbranche bedient sich zunehmend im Internet, wenn es darum geht, die eigenen Artikel zu illustrieren.

Screenshot: Heute.at

Aktuelles Beispiel dürfte diese Illustration eines Artikels auf Heute.at sein. Sie zeigt nicht nur das falsche Flugzeug, eine Fokker 100 statt einer Dash-8, sie ist auch mit „© Flickr“ gekennzeichnet. Das Originalfoto trägt jedoch das Copyright von Florian Larcher, eines jungen Innsbrucker Fotografen (der sich auf seinem Flickr-Profil verhandlungsbereit zeigt: „If someone need photos, please contact me.“). Was die Vermutung nahe legt, dass sich Heute.at einfach bedient hat.

Update: Der Fotograf bestätigt auf Anfrage: „Habe weder eine Einwilligung gegeben und gefragt wurde ich auch nicht.“ Ich habe Heute.at den Kontakt zu ihm vermittelt.

Update 2: Das Bild wurde inzwischen ausgetauscht.

Update 3: Der Onlinechef von „Heute“ nimmt in den Kommentaren Stellung.

Gleich acht Menschen soll ein HIV-Infizierter auf dem Berliner CSD im Zuge eines Streits gebissen haben, berichtet das Berliner Boulevardblatt B.Z.

Der  Amok-Beißer vom CSD (B.Z., 21.6.2010)Die Polizei weiß zwar bislang nur von zwei Opfern, aber die offizielle Zahl hätte der schönen Headline vom „Amok-Beißer“ doch zuviel an Dramatik genommen. Zudem scheinen sich die Beamten bei den Ermittlungen ohnehin etwas verrannt zu haben:

Außerdem soll bei dem Beschuldigten auch ein Joint gefunden worden sein. Von ihm wurden auf der Wache Fingerabdrücke genommen, Fotos für die Kartei gemacht.

Um die geistige Beweglichkeit seiner Leser zu fördern, versteckt „Österreich“ jetzt kleine Logik-Rätsel in seinen Geschichten. Zum Beispiel in dieser hier:

An der Kinokassa erlebte Hollywood-Star Ashton Kutcher ein peinliches Hoppala. Als er mit seiner Kreditkarte für Popcorn und Getränke bezahlen wollte, ging nichts mehr. Das Plastikgeld wurde abgelehnt.

Peinlich - Ashton Kutchers Kreditkarte abgelehnt (Österreich,  18.6.2010)Ashtons Gesicht lief rot an. Doch der Schauspieler hatte Glück: Der Manager des Kinos erkannte seinen prominenten Gast und eilte zu seiner Rettung herbei. Er entschuldigte sich bei Kutcher für die Unannehmlichkeiten. Speis und Trank gingen aufs Haus. Ein Augenzeuge: „Ashton war das scheinbar gar nicht peinlich. Er hat einfach darüber gelacht.“

Preisfrage: Einen Satz hat der Autor (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) frei erfunden. Welchen?

Unter der Schlagzeile „Lindsay Lohan futtert sich die Schenkel dick“ beschwert man sich auf Krone.at über die neuerdings gesunde Figur des Hollywood-Stars.

Früher hatte Lohan schwere Essstörungen – aber laut Krone.at offenbar immer noch besser als mit diesen – ach so furchtbar „dicken“ – Schenkeln herumzulaufen:

Essen statt Drogen und Alkohol: Ist das alles zu viel für Lohan? Einerseits muss sie sich unheimlich zusammenreißen – muss vom Alkohol und den Drogen wegkommen. Andererseits werden ihre Anstrengungen auch noch durch falsche Verdächtungen bombardiert. Ihre Lösung für das Problem ist offenbar futtern. Burger, Eiscreme, Pommes als beruhigende Ersatzbefriedung.

Abgesehen von der Tatsache, dass hier ein völlig verzerrtes Bild von der weiblichen Figur vermittelt wird, ist dieser Artikel geradezu ein Paradebeispiel für die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts: Ganz à la Das schwache Geschöpf futtert, um mit seinen Problemen zurechtzukommen und erlaubt es sich auch noch dick zu werden.

49% aller 15-jährigen Mädchen fühlen sich zu dick, etwa jede 15. Österreicherin ist von Essstörungen betroffen. Müsste hier nicht das Jugendschutzgesetz zur Anwendung kommen? Dieses besagt:

Inhalte von Medien (..), die junge Menschen in ihrer Entwicklung gefährden könnten, dürfen diesen nicht angeboten, weitergegeben oder sonst zugänglich gemacht werden.

In einem Interview mit dem ZEIT-Magazin äußert sich der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt, über die Hetze der BILD-Zeitung gegen Griechenland und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Im Gespräch mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, bezeichnet er die Berichterstattung des Boulevardmediums als „Missbrauch der Pressefreiheit“.

Auf die Frage, wo denn die Grenze zwischen rhetorischer Überzeugungskraft und purer Demagogie liege, antwortet Schmidt mit klaren Worten:

Wenn ich lese, wie die auflagenstärkste europäische Tageszeitung, genannt Bild, in den letzten Wochen beinahe jeden Tag den Lesern klargemacht hat, dass man sein eigenes Geld nicht dafür verwenden sollte, dem aus eigener Schuld in Not geratenen Nachbarstaat Griechenland zu helfen, dann ist das in Wirklichkeit Demagogie oder, wenn Sie so wollen, ein Missbrauch der Pressefreiheit.

(Via BildBlog/ Bild: Nuriya Fatykhova, Creative Commons)

Die Aussichten für Samstag: Schnee und 15 °C auf selber Meereshöhe.
Bitte warm anziehen und Datum zurückstellen nicht vergessen…

Tatverdächtiger "Cretu" unverpixelt (Österreich, 18.6.2010)Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

Ich habe keine Ahnung, nach welchen Kriterien „Österreich“ entscheidet, den selben Tatverdächtigen mal mehr (gestern, online, Gesicht voll verpixelt), mal weniger (heute, online, Augen schmal verpixelt), mal gar nicht (heute, offline, s. Bild) zu anonymisieren.

Schlimmer noch: Ich fürchte, diese Ahnungslosigkeit teile ich mit der „Österreich“-Redaktion.

  • Seit heute wissen wir wieder, die Kronen Zeitung kann auch würdevoll über Verstorbene berichten. Das war nicht immer so. Der Tod des Herausgebers ist Anlass für viele, ihm etwas nachzurufen – mehr oder weniger leise.
  • Nachrufe waren dieser Tage auch auf die ORF-Futurezone zu lesen. Eine spannende Gegenposition zu den Rettungsversuchen im Web 2.0 nimmt das „Datenschmutz“-Blog ein. Es hält das Drama um die Futurezone für ein öffentlich-rechtliches Missverständnis.
  • „Zur Politik“ geht einigen Merkwürdigkeiten der österreichischen Presseförderung nach und fragt sich, warum die Eisenstädter Kirchenzeitung mehr Geld bekommt als der FALTER, eines der wichtigsten investigativen Medien im Land, das unter anderem die Strafunmündigkeit eines Landeshauptmanns aufgedeckt hat.
  • Ja, und falls auf Kobuk grad mal nix läuft, können wir immer einen kurzweiligen Abstecher zu nömix empfehlen.

(Foto: CC Zanthia)

Oder in der deutschen Übersetzung: Kronen Zeitung – Tag für Tag ein Boulevardstück.

Krone – L’Autriche entre les lignes, so heißt der Dokumentarfilm der Belgierin Nathalie Borgers, den sich der ORF nie zu zeigen traute. Auf ARTE wurde er ausgestrahlt – worauf der Sender aus dem TV-Programm der „Krone“ flog.

Anlässlich des gestrigen Ablebens Hans Dichands hier die einstündige Doku in sechs Teilen:

Update 20. Juni: Der Rechteinhaber ließ die Doku inzwischen von Youtube entfernen. Mit etwas Suchen findet man sie aber auf anderen Videoportalen oder als Torrent.